Waldweg mit Ausblick auf ein kapellenartiges Gebäude
Jean-Baptiste Camille Corot
um 1870-1875
Die tonig-malerisch breite Ausführung der Zeichnung zeigt Ähnlichkeiten zu Inv. 24167 und legt eine Entstehung ebenfalls Anfang der 70er-Jahre nahe. Corot deutet zwar noch mit wenigen, kräftigen Kohlestrichen die Binnenform wie z.B. Stamm und Äste des großen zentralen Baumes an, doch wird der eingrenzende Charakter der Linie durch weit angelegte Schraffuren und Verwischen der Kohle nahezu aufgehoben: Landschaft, Architektur und Mensch verschmelzen zu einer malerischen Einheit. Nur wenige Details sind noch erkennbar, sodass man bei der Staffage im Vordergrund kaum mit Sicherheit sagen kann, ob es sich um eine sitzende Figur oder um zwei Figuren handelt oder um Mensch und Tier, eventuell einen Hund. Die weitgehende Auflösung von Körper und Volumen zugunsten malerischer Stimmungsimpression kennzeichnet Corots Spätstil: Die künstlerischen Möglichkeiten des Kohlestiftes werden in der Skala von zartestem Grau bis zu kräftig dunklen Akzenten ausgeschöpft und tragen wesentlich zu einem zeitlos idealen Landschaftsbild bei.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 124, Nr. 54.
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