Albrecht Dürer, Kopf eines Apostels (Detail aus dem "Heller-Altar"), Inv. Nr.: 4836
Kopf eines Apostels (Detail aus dem "Heller-Altar")
Albrecht Dürer, Kopf eines Apostels (Detail aus dem "Heller-Altar"), Inv. Nr.: 4836
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kopf eines Apostels (Detail aus dem "Heller-Altar")

Albrecht Dürer

1508






Im Jahr 1507 erreichte Dürer der Auftrag des Frankfurter Ratsherren und Kaufmanns Jakob Heller (um 1460–1522), einen Altar für die Kirche des Dominikanerklosters zu Frankfurt am Main zu malen. Bis 1509 arbeitete Dürer an dem Triptychon, das auf der Mitteltafel die von den Aposteln bestaunte Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung durch Gottvater, Christus und den Heiligen Geist präsentiert. Von Anfang an war das Meisterwerk eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges, bis 1614 dem bayerischen Herzog Maximilian der Ankauf der berühmten Tafel gelang. Allerdings ging die Krönung Mariens beim Brand der Münchener Residenz 1729 verloren.


 


Zum Heller-Altar haben sich Detailstudien für Draperien, Hände, selbst für Füße, Köpfe und für ganze Figuren erhalten. In Technik und Stil lehnen sie sich an die in Venedig entstandenen Studien auf blauem Papier an, doch hat Dürer nun die Bögen sehr sorgfältig in Blau oder Grün grundiert. Die daraus resultierende sehr feine Oberfläche erlaubte ihm ein wesentlich delikateres Arbeiten. Die Blätter konnten dem Auftraggeber bei dessen überliefertem Besuch in Dürers Werkstatt vorgelegt werden. Als Vorstudien für die weitaus detailärmere Malarbeit waren sie aber kaum zu gebrauchen. Für seine Werkstatt hatte Dürer damit aber Glanzstücke analytischer Beobachtung und präzisester Wiedergabe verfügbar.





Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1508
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesPinsel in Grau und Schwarz, grau laviert, mit Deckweiß gehöht, auf grün (über rosa) grundiertem Papier; Nadellöcher oben, rechts und unten
Dimensions31,6 x 22,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number4836
SignedM.r. "1508" und Dürer-Monogramm "AD"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
WatermarkHohe Krone (ähnlich Briquet 4892–4902 [nachgewiesen 1484–1520 in Süddeutschland]; Meder 20 ]verwendet ab ca. 1495 für Stiche und Holzschnitte]; Strauss S. 3285 [verwendet ab 1490])
Text

Das Haupt des alten Mannes war ursprünglich rechts gezeichnet, dem der herabhängende Arm (Inv. 3114) auf der linken Seite des Bogens antwortete. Erst das Nebeneinander der beiden Blätter zeigt, welche Sorgfalt und Aufmerksamkeit Dürer jeder seiner Studien, ob Kopf oder Hand, schenkte.
Das Haupt bereitet den Kopf des auf dem "Heller-Altar" ganz links außen befindlichen bärtigen Apostels vor, wie uns die Harrich'sche Kopie des "Heller-Altars" (Frankfurt am Main, Historisches Museum) Aufschluss gibt. Besonders diese und eine weitere Kopfstudie (Inv. 3111) lassen an Dürers Italienreise denken und vor allem bei #Leonardo gewonnene Eindrücke erkennen. Mit der charakteristischen Nase und dem eingefallenen, von Barthaar umwachsenen Mund ging Dürer an die Grenze zur karikierenden Übertreibung, wie es auch schon bei dem auf seinem in Italien ausgeführten Tafelbild "Christus unter den Schriftgelehrten" im rechten Vordergrund erscheinenden Schriftgelehrten anklingt und als eine Art Idealtypus in verschiedenen Werken Dürers in verwandter Weise wiederkehrt.
Auffallend ist die gleichwertige Aufmerksamkeit für Detail und Ausdruck, die sowohl den Kopf als auch den Arm erfasst. Insofern sind die Vorstudien zum "Heller-Altar" mit den etwas früher ausgeführten Studien zum "Rosenkranzfest" und zu "Christus unter den Schriftgelehrten" verwandt.

Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 114, S. 363.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 87
  • Winkler 449
  • Strauss 1508/3
  • Bibliography
  • AK Albertina 1971, Nr. 70
  • AK Albertina/Washington/New York 1984-1986, Nr. 5
  • AK Oslo 2002, Nr. 14
  • AK Albertina 2003, Nr. 114 (H. Widauer)
  • AK Madrid 2005, S. 250-251, Nr. 63 (H. Widauer)
  • AK Washington 2013, S. 181-183, Nr. 62 (H. Widauer)
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 72 und 74.
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.9
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 459, Kat. 136
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/40237/kopf-eines-apostels-detail-aus-dem-helleraltarImage Request
    Last edited24.01.2025