Hans Burgkmair d. Ä., Der allegorische Reichsadler des Konrad Celtis (Quaternionenadler), Inv. …
Der allegorische Reichsadler des Konrad Celtis (Quaternionenadler)
Hans Burgkmair d. Ä., Der allegorische Reichsadler des Konrad Celtis (Quaternionenadler), Inv. Nr.: DG1934/149
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der allegorische Reichsadler des Konrad Celtis (Quaternionenadler)

Hans Burgkmair d. Ä.

um 1507




Das Programm des Reichsadlers ist vielleicht auf ein verlorenes Schauspiel zurückzuführen, das Konrad Celtis 1506 als Huldigung auf den Kaiser verfasst hat. Im Zentrum des Bildes thront Maximilian unter den beiden Häuptern des Reichsadlers. Durch den dreibeinigen Schemel des Apoll ist Maximilian dem griechischen Gott gleichgesetzt. Dadurch wird Maximilian dessen schöpferisches Vermögen zugemessen, war Apoll doch der Beschützer der Musen, die in diesem Holzschnitt unterhalb des Monarchen in einer Brunnenschale musizieren. Darunter thront Philosophia, die über die artes liberales herrscht. Mit der Szene des Parisurteils erscheint am Sockel des Brunnenstocks eine an den Herrscher gerichtete Mahnung: denn anders als Paris, der durch die Wahl der Göttin Venus seiner Begierde unterlag, möge sich der Fürst besser Minerva, der Göttin der Weisheit, also einer segensreichen Regierungstätigkeit zuwenden.


Künstler:in (Augsburg 1473 - 1531 Augsburg)
Dateum 1507
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt
DimensionsDarstellung (mit Text oben und unten): 38,5 x 21,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1934/149
SignedAm Brunnen zu Füßen Maximilians: "HB"
Markings
Text
Das Programm des Reichsadlers ist vielleicht auf ein verlorenes – von dem Poeta laureatus Konrad Celtis 1506 verfasstes – Schauspiel zurückzufüh­ren, das als Huldigung an den Kaiser am Hof zur Aufführung gelangte. Das komplizierte Programm, von Burgkmair in übersichtlicher Anord­nung grafisch umgesetzt, wird erläutert von Inschriften in Antiqua, ei­ner Schriftart, die den Eindruck klassischer Gelehrsamkeit hervorzuru­fen vermochte. Eingerahmt von zwei aus Lorbeer, der heiligen Pflanze Apolls, gewundenen Kränzen thront Maximilian oben im Zentrum des Bildes, genau unter den Häuptern des Reichsadlers. Vor einem Balda­chin sitzend, trägt er die Kaiserkrone und hält Reichsapfel und Szepter in Händen. Durch den dreibeinigen Schemel (Tripos) – dem Symbol des unter Apolls Schutz stehenden delphischen Orakels – ist Maximilian dem griechischen Gott gleichgesetzt. So werden Maximilian dessen vi­sionäre Kräfte beigemessen, zugleich aber auch sein schöpferisches Ver­mögen, war Apoll doch Beschützer der Musen, die unmittelbar unter dem thronenden Monarchen in einer Brunnenschale musizieren. Da­runter thront die bekrönte Philosophia (vgl. Inv. DG1934/477), die einen Fuß auf ein Sinnbild des Erdkreises setzt und über die personifizierten artes libe­rales herrscht. Neben seiner allgemeingültigen Bedeutung verbindet das Programm die Künste mit dem Collegium poetarum et mathematicorum, das auf Initiative von Celtis durch Maximilian 1501 in Wien gegründet worden war.

Mit der Szene des Parisurteils erscheint am Sockel des Brunnen­stocks auch eine an den Herrscher gerichtete Botschaft: Neben dem schlafenden Paris sind Merkur und Discordia sowie drei nackte klassi­sche Göttinnen zu sehen. Paris, der Sohn von König Priamos von Troja, erscheint hier als Vorbild für den (künftigen) Kaiser Maximilian. Diese Bildidee ist als Mahnung an den jungen Fürsten zu verstehen, anders als Paris, der durch die Wahl der Göttin Venus seiner Begierde unterlag, sich der Weisheit (Minerva), also einer segensreichen Regierungstätigkeit zuzuwenden. Darüber hinaus erhob Maximilian durch seine Genealo­gie, die Burgkmair bald mit Holzschnitten illustrieren sollte (Die Genealogie Maximilians I., um 1510, Wien, ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Cod. 8048; Ausst.-Kat. Albertina 2012, Kat. 20), Anspruch auf die Abstammung von Priamos. So bekräftigt der Reichs­adler, dass Maximilians Schirmherrschaft über Celtis’ Wiener Collegium poetarum den Musen und den freien Künsten erst ermöglichte, in den deutschsprachigen Ländern zu florieren – unter dem beherrschenden Genius von Apoll-Maximilian, war es ihm doch gelungen, den Missgriff seines Ahnen Paris wiedergutzumachen.


Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 36, S. 192.
Catalogue raisonné
  • Pass. 120
  • H. 800
  • Biedermann/Falk 17
  • Bibliography
  • Dodgson 1911, II, S. 67 – 68, Nr. 4
  • Ausst.-Kat. Wien 1959, Nr. 442
  • Falk 1968, S. 49 – 51
  • Ausst.-Kat. Innsbruck 1969, S. 100 – 101, Nr. 381
  • Ausst.-Kat. Augsburg/Stuttgart 1973, Nr. 17
  • Ausst.-Kat. München 1990, S. 300 – 301, Nr. 109
  • Ausst.-Kat. Innsbruck 1992a, S. 350 – 351, Nr. 163 (Erwin Pokorny)
  • Larry Silver, Germanic patriotism in the age of Dürer, in: Dagmar Eichberger und Charles Zika (Hrsg.), Dürer and his culture, Cambridge 1998, S. 38-68, 216-220, hier S. 47
  • Luh 2002
  • Ausst.-Kat. Osnabrück 2003, Nr. 12
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 36 (L. Silver)
  • Thomas Schauerte, Dürer & Celtis. Die Nürnberger Poetenschule im Aufbruch, München 2015, S. 172
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/101062/der-allegorische-reichsadler-des-konrad-celtis-quaternionenImage Request
    Last edited05.11.2025