Der allegorische Reichsadler des Konrad Celtis (Quaternionenadler)
Hans Burgkmair d. Ä.
um 1507
Mit der Szene des Parisurteils erscheint am Sockel des Brunnenstocks auch eine an den Herrscher gerichtete Botschaft: Neben dem schlafenden Paris sind Merkur und Discordia sowie drei nackte klassische Göttinnen zu sehen. Paris, der Sohn von König Priamos von Troja, erscheint hier als Vorbild für den (künftigen) Kaiser Maximilian. Diese Bildidee ist als Mahnung an den jungen Fürsten zu verstehen, anders als Paris, der durch die Wahl der Göttin Venus seiner Begierde unterlag, sich der Weisheit (Minerva), also einer segensreichen Regierungstätigkeit zuzuwenden. Darüber hinaus erhob Maximilian durch seine Genealogie, die Burgkmair bald mit Holzschnitten illustrieren sollte (Die Genealogie Maximilians I., um 1510, Wien, ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Cod. 8048; Ausst.-Kat. Albertina 2012, Kat. 20), Anspruch auf die Abstammung von Priamos. So bekräftigt der Reichsadler, dass Maximilians Schirmherrschaft über Celtis’ Wiener Collegium poetarum den Musen und den freien Künsten erst ermöglichte, in den deutschsprachigen Ländern zu florieren – unter dem beherrschenden Genius von Apoll-Maximilian, war es ihm doch gelungen, den Missgriff seines Ahnen Paris wiedergutzumachen.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 36, S. 192.
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