Jacopo de´ Barbari, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von …
Ansicht von Venedig
Jacopo de´ Barbari, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Ansicht von Venedig, Inv. Nr.: DG1952/460/1, DG1952/460/2, DG1952/460/3, DG1952/460/4, DG1952/460/5, DG1952/460/6, DG1952/460/7, DG1952/460/8, DG1952/460/9, DG1952/460/10, DG1952/460/11, DG1952/460/12
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Ansicht von Venedig

Jacopo de´ Barbari

1497-1500, Druckabzug des 18. Jhs.




Das wachsende Interesse an Topografie und deren naturgetreuer Erfassung mit Hilfe der Zentralperspektive gehört zu den großen Neuerungen der Renaissance. Der Riesenholzschnitt mit dem Plan von Venedig ist Stadtansicht und Kartenbild zugleich. Alle Bauten und der Verlauf des Canale Grande sind präzise erfasst. Über der Stadt wachen Merkur, der Gott des Handels, und der Seegott Neptun auf einem Delphin. Acht Köpfe geben als Personifikationen der Winde die Himmelsrichtungen an.

Lange galt Albrecht Dürer als Entwerfer des beeindruckenden Werkes, das später dem Venezianer Jacobo de‘ Barbari zugeschrieben wurde. Herausgeber des Plans war der in Venedig ansässige Nürnberger Kaufmann Anton Kolb, der die dreijährige Produktion selbst bezahlte. Wohl auf Vermittlung Kolbs kam de’ Barbari nach Nürnberg und war zwischen 1500 und 1504 für Maximilian tätig. Es ist anzunehmen, dass auch Maximilian ein Exemplar dieser imposanten Planansicht besaß. Er interessierte sich sehr für Karten, die er sammelte, und die ihm auch bei seinen Feldzügen nützlich waren. Zu Venedig hatte er allerdings ein wenig positives Verhältnis: Venedig verwehrte Maximilian 1508 den Durchzug nach Rom zu seiner Kaiserkrönung; ein achtjähriger Krieg war die Folge.



Der Riesenholzschnitt, der Venedig aus der Vogelperspektive zeigt, ist Stadtansicht und Kartenbild zugleich. Der Venezianer Jacobo de’ Barbari gilt als Entwerfer des beeindruckenden Werkes, das vermutlich im Auftrag der Stadtregierung entstand. Der Plan war weniger für den Privatgebrauch, sondern vielmehr als repräsentatives »Aushängeschild« der Stadt in den großen Handelshäusern gedacht: Venedig präsentiert sich als prosperierende Handelsmetropole, über der Merkur, der Schutzgott der Kaufleute, und der Meeresgott Neptun wachen.

In dreijähriger Entstehungszeit wurde die gesamte Lagunenstadt mit aufwendigen, modernen Vermessungsmethoden wie der Polygonierung in vielen Zeichnungen festgehalten. Das Ergebnis – ein Grundrissplan – wurde in einem weiteren Schritt in einen zusammenhängenden perspektivischen Aufrissplan umgesetzt und dann auf die Druckstöcke übertragen, die zusammengesetzt die Gesamtansicht ergeben. Vor allem die Detailgenauigkeit unterscheidet diese Darstellung von anderen zeitgenössischen Stadtansichten. Viele architektonische Details und sogar heute verschwundene Fassadenmalereien sind identifizierbar. Einige Zonen erscheinen bewusst vergrößert – beispielsweise der Markusplatz, das politische und kulturelle Zentrum Venedigs, das Industrieviertel rund um das Arsenal im Osten der Stadt oder das Rialtoviertel, damaliges Handelszentrum der Lagune –, um die Selbstdarstellung als blühende Handelsstadt zu betonen.



Künstler:in (Venedig (um) 1470 - (vor) 1516 Mechelen)
Date1497-1500, Druckabzug des 18. Jhs.
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt; zweiter Zustand
DimensionsBlatt: 71,5 × 41,2 cm
Rahmenaußenmaß 149,5 × 298,5 × 5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1952/460/1
Text

(Seminararbeit von Helmut Halb in der Lehrveranstaltung "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" [Dr. Eva Michel, Universität Wien, WS 2012/2013])


Der Plan von Venedig zeigt die Lagunenstadt aus der Vogelperspektive. Im Vordergrund erkennt man Teile der Inseln Guidecca und San Giorgio Maggiore, im Zentrum sieht man die Stadt Venedig selbst, und weit im Hintergrund erstreckt sich das Festland mit der entfernten Bergkette der Alpen. Venedig wird als wohlgeordnete, blühende Stadt dargestellt, die sich mit ihren weithin bekannten Kanälen, Plätzen, Gebäuden und den vielen vor Anker liegenden Schiffen stolz als Zentrum des internationalen Handels präsentiert. Dies ist durchaus beabsichtigt, denn der Plan war weniger für den Privatgebrauch sondern vielmehr als Aushängeschild und Visitenkarte der Stadt gedacht und sollte, auf Leinwand aufgezogen, in den Kontoren und Geschäftsräumen der großen Kaufmannschaften und Handelshäuser vom Ruhm der Stadt künden und Venedig als bewährten und sicheren Handelsplatz zeigen. Die Vermittlung dieser Botschaft war der Regierung der Lagunenstadt, die die Erstellung des Plans vermutlich in Auftrag gab, das wichtigste Anliegen.

Wie aus einem Dokument des Jahres 1500 hervorgeht, erhielt der Nürnberger Kaufmann und Verleger Anton Kolb von der Regierung Venedigs die Druck- und Exportlizenz für den Stadtplan. Kolb berichtet darin auch von der mehr als dreijährigen Herstellungszeit dieses mit den Maßen 135 mal 282 cm monumentalen Holzschnitts und den damit verbundenen Herausforderungen sowohl in technischer, logistischer als auch künstlerischer Hinsicht. Der genaue Ablauf der Planerstellung ist nicht bekannt, doch kann man als Grundlage dieses exakten Plans eine ebenso exakte Vermessung der Stadt mit den damals modernsten Methoden annehmen. Aus den gewonnenen Daten wurden schließlich viele, noch unzusammenhängende Einzelzeichnungen angefertigt. Vor der Übertragung auf die insgesamt sechs riesigen Druckstöcke mussten diese Einzelzeichnungen jedoch zu einer perspektivisch korrekten und stimmigen Gesamtansicht zusammengestellt werden. Nachdem lange Zeit Andrea Mantegna oder Albrecht Dürer als Urheber der Entwurfszeichnung des Riesenholzschnitts galten, geht man heute davon aus, dass diese vermutlich vom oberitalienischen Künstler Jacopo de' Barbari stammt. Dafür sprechen sowohl stilistische Merkmale als auch die Tatsache, dass de' Barbari in engem Kontakt mit Anton Kolb stand, welcher ihn schließlich auch 1500 als Hofkünstler zum deutschen König Maximilian I. nach Nürnberg vermittelte, von wo aus er seine große Künstlerkarriere nördlich der Alpen startete, die ihn als hochangesehenen Maler an die bedeutenden Fürstenhöfe in Nürnberg, Wittenberg und Mechelen brachte.

De' Barbaris Plan von Venedig entstand noch in Italien. Er besticht in erster Linie durch seine Detailgenauigkeit, die vor allem im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Stadtansichten augenscheinlich wird. In keinem anderen Stadtplan aus der Zeit um 1500 sind Gebäude, Plätze und Wege derart exakt nachvollziehbar. Selbst kleinste Architekturdetails wie Arkaden und Loggien, Außentreppen, Kamine und sogar heute verschwundene Fassadenmalereien an den Häusern, sind auf de' Barbaris Holzschnitt identifizierbar. Dennoch fallen bei aller Exaktheit einige Ungereimtheiten im Plan auf, die zunächst nicht erklärlich scheinen. So ist beispielsweise der Markusplatz, das politische und kulturelle Zentrum der Stadt, leicht vergrößert dargestellt und hebt sich durch die geometrische Rasterung des Pflasters klar vom kleinteiligen Gassengewirr ringsum ab. Ebenso vergrößert wirken die Gegend um das Arsenal, das bedeutende Industriegebiet im Osten der Lagunenstadt sowie das Rialto-Viertel, das eigentliche Handelszentrum Venedigs. In diesen Bereichen werden die ansonsten konsequenten perspektivischen Verkürzungen stark zurückgenommen, wohl um so eine bessere Lesbarkeit zu erreichen. Der Grund dieser Verzerrungen wird klar, wenn man sich das Anliegen der Stadtregierung und die Adressaten des Plans nochmals in Erinnerung ruft: Venedig sollte bei seinen Wirtschaftspartnern als sichere und prosperierende Handelsmetropole präsentiert werden und die hervorgehobenen drei wichtigsten Zentren Venedigs, der Markusplatz, das Arsenal und das Rialto-Viertel, sollten diese Botschaft transportieren.

Die lange und intensive Herstellungszeit, die äußerst exakte Ausführung und nicht zuletzt die monumentalen Ausmaße zeichnen de' Barbaris Plan von Venedig als technische Meisterleistung seiner Zeit und Werk von höchster künstlerischer Qualität aus. Von dem Holzschnitt existieren heute insgesamt noch 18 Exemplare, was ihn

zusätzlich zu einer ausgesprochenen Rarität macht.

Catalogue raisonné
  • Kristeller 33 II
  • Bibliography
  • Jürgen Schulz, Jacopo de' Barbaris View of Venice: Map Making, City Views, and Moralized Geography Before The Year 1500, in: The Art Bulletin, 60 (1978), New York 1978, S. 425-474
  • Beate Böckem, Jacopo de' Barbari: Ein Apelles am Fürstenhof? Die Allianz von Künstler, Humanist und Herrscher im Alten Reich, in: Matthias Müller u.a. (Hg.), Apelles am Fürstenhof. Facetten der Hofkunst um 1500 im Alten Reich (Kat. Ausst., Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 22.08.2010–07.11.2010), Berlin 2010, S. 23–33
  • Beate Böckem, Der frühe Dürer und Italien. Italienerfahrung und Mobilitätsprozesse um 1500, in: Daniel Hess/Thomas Eser (Hg.), Der frühe Dürer (Kat. Ausst., Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 24.05.2012–02.09.2012), Nürnberg 2012, S. 52–64
  • Friedl Brunckhorst, Architektur im Bild. Die Darstellung der Stadt Venedig im 15. Jahrhundert, Hildesheim 1997
  • Roland Damm, Yasmin Doosry, Alexandra Scheld, Der Venedig-Plan von 1500. Restaurierung eines Riesenholzschnitts im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg 2012
  • Dagmar Eichberger, Ein "Musenhof" in den südlichen Niederlanden als Vorbild für das Alte Reich. Kunst und Kunstbetrachtung am Hofe Margaretes von Österreich (1480 - 1530), in: Matthias Müller u.a. (Hg.), Apelles am Fürstenhof. Facetten der Hofkunst um 1500 im Alten Reich (Kat. Ausst., Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 22.08.2010–07.11.2010), Berlin 2010, S. 91–97
  • AK The Print, Albertina Wien 2022, Kat. 43
  • Provenance
  • Hofbibliothek
  • Online resources
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    Last edited29.04.2025

    Jacopo de´ Barbari, Ansicht von Venedig, Inv. Nr.: DG1952/460/2
    Jacopo de´ Barbari
    1497-1500
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    1497-1500
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    1497-1500
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    1497-1500
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    1497-1500
    Jacopo de´ Barbari, Ansicht von Venedig, Inv. Nr.: DG1952/457/1
    Jacopo de´ Barbari
    (Ende 15. Jahrhundert, Anfang 16. Jahrhundert)