Ansicht von Venedig
Jacopo de´ Barbari
1497-1500
Der Riesenholzschnitt, der Venedig aus der Vogelperspektive zeigt, ist Stadtansicht und Kartenbild zugleich. Der Venezianer Jacobo de’ Barbari gilt als Entwerfer des beeindruckenden Werkes, das vermutlich im Auftrag der Stadtregierung entstand. Der Plan war weniger für den Privatgebrauch, sondern vielmehr als repräsentatives »Aushängeschild« der Stadt in den großen Handelshäusern gedacht: Venedig präsentiert sich als prosperierende Handelsmetropole, über der Merkur, der Schutzgott der Kaufleute, und der Meeresgott Neptun wachen.
In dreijähriger Entstehungszeit wurde die gesamte Lagunenstadt mit aufwendigen, modernen Vermessungsmethoden wie der Polygonierung in vielen Zeichnungen festgehalten. Das Ergebnis – ein Grundrissplan – wurde in einem weiteren Schritt in einen zusammenhängenden perspektivischen Aufrissplan umgesetzt und dann auf die Druckstöcke übertragen, die zusammengesetzt die Gesamtansicht ergeben. Vor allem die Detailgenauigkeit unterscheidet diese Darstellung von anderen zeitgenössischen Stadtansichten. Viele architektonische Details und sogar heute verschwundene Fassadenmalereien sind identifizierbar. Einige Zonen erscheinen bewusst vergrößert – beispielsweise der Markusplatz, das politische und kulturelle Zentrum Venedigs, das Industrieviertel rund um das Arsenal im Osten der Stadt oder das Rialtoviertel, damaliges Handelszentrum der Lagune –, um die Selbstdarstellung als blühende Handelsstadt zu betonen.
Rahmenaußenmaß 149,5 × 298,5 × 5 cm
