Eichenwald mit Hirten
Claude Gellée gen. Claude Lorrain
Die Waldstudie mit Hirten und Waldgöttern (?) bildet einen Höhepunkt in Lorrains Naturschilderung, wo Wahrheit und Dichtung harmonisch zu einem Bildensemble verschmelzen. Die weiche, tonig-atmosphärische Zeichnung, die ihre malerische Wirkung aus dem Zusammenspiel von braunem Farbton, hellem Papiergrund und schwarzer Kreide bezieht, findet sich, wie Knab anmerkt (a.a.O), vergleichbar in den beiden, ebenfalls hier ausgestellten Blättern der Albertina "Drei schlanke Bäume vor einem Bach" (Inv.11.530) und "Blick vom rechten Tiberufer auf den Aventin" (Inv.24.252), die allgemein zwischen 1640 und 1645 datiert werden. Während Knab den "Eichenwald mit Hirten" auch in diese Jahre einordnet (a.a.O.), hält sie Röthlisberger (a.a.O.) aufgrund der detailierteren Pinselführung und mit Bezug auf ähnliche Waldstücke wie z.B. im Teyler Museum, Haarlem (Röthlisberger 1968, Nr.149r), für etwas früher, um 1635-1640, entstanden. Eine von Röthlisberger um 1640 datierte "Waldszene" des British Museum, London (Röthlisberger 1968, Nr.298), scheint, m.E., unserer Zeichnung am nächsten verwandt zu sein, vor allem in der sehr ähnlichen Behandlung des Laubwerks: größere, mit breiten, satten Pinselstrichen wiedergegebene Blattgruppen finden sich neben kleinteiligen, pointilistisch, meist über lavierte Flächen gesetzte Blättchen. Auffallend verwandte Züge weisen darüber hinaus die rhythmischen, sanft gebogenen, dünnen Äste und Stämme oder die dunkel, gegen die helle Ferne silhouettierten Figuren auf, die sich in die Naturschilderung homogen integrieren.
Christine Ekelhart, in: A Quintessence of Drawing, Masterworks from the Albertina, New York, Solomon R.Guggenheim Museum, 1997, Nr. 47. (in Englischer Sprache)
