Baumgruppe mit ruhendem Hirten
Claude Gellée gen. Claude Lorrain
späte 1630er-Jahre
Lorrains Œuvre gilt als Inbegriff der klassischen idealen Landschaft. Seine Motive fand er in der römischen Campagna, wo er Natureindrücke in zahlreichen Zeichnungen festhielt. Allerdings geht es weniger um objektive Richtigkeit als darum, die Stimmung der Landschaft einzufangen. Sein besonderes Interesse galt den Lichteffekten, die er mit Lavierungen unterschiedlicher Dichte erzeugte. Wesentliches Gestaltungsmittel ist das Gegenlicht, das die dunkler lavierten Bäume oder Felsformationen hell umrahmt. Die rhythmische Unterbrechung des Lichts durch dunkle Zonen schichtet die Landschaft stufenweise bis in die helle Tiefe und schafft sowohl Raum als auch Atmosphäre. Seine Landschaftszeichnungen dienten Lorrain als Formenrepertoire, das er bei Bedarf versatzstückartig in seine Gemälde, Radierungen oder anderen Zeichnungen integrierte.
Rahmenaußenmaß 51,4 × 43,2 × 3,6 cm
Claude Gellée, nach seiner Heimat Lothringen "Le Lorrain" genannt, ging bei seinem Bruder #Jean Gellée, einem Holzschnitzer in Freiburg, in die Lehre. 1613 zog Lorrain nach Rom, von wo er nur noch einmal, 1625/26, in seine Heimat zurückkehrte. #Joachim von Sandrart, sein späterer Biograf, berichtet von zahlreichen gemeinsamen Ausflügen in die römische Campagna, denen sich u. a. auch #Nicolas Poussin und #Pieter van Laer angeschlossen haben, um direkt vor der Natur zu zeichnen und zu malen.
Claude Lorrains Œuvre gilt als Inbegriff der klassischen, idealen Landschaft - als "Lehrschule aller Landschaftsmaler" (Sandrart). Der Künstler fand seine Motive in der römischen Campagna, einer Region, die verschiedenartigste geologische Formationen und unterschiedlichste Vegetationen harmonisch vereint.
Lorrain hielt seine Natureindrücke in zahlreichen Zeichnungen, zumeist mit Pinsel und Feder fest, allerdings nicht unter dem Aspekt der objektiven Richtigkeit einer Vedute, sondern vor allem, um die Stimmung einer Landschaft einzufangen. Sein besonderes Interesse konzentrierte sich dabei auf die verschiedenen Lichteffekte der Tageszeiten, wofür die zwischen 1630 und 1640 entstandenen Zeichnungen der Albertina charakteristische Beispiele sind: Mit sparsamsten Mitteln, sowohl was die Technik als auch was die Darstellung anbelangt, fängt Lorrain den Eindruck von gleißendem Licht und dunklem, kühlem Schatten kongenial ein. Dichtes, mit vielfältigen Federstrichen verstärktes Laubwerk kontrastiert mit offenem Raum. Mit wenigen Linien und substantiell unterschiedlichen Lavierungen werden Felsen, Hügel oder Horizont suggestiv angedeutet. Studien dieser Art dienten Lorrain als vorbereitendes Formenrepertoire, um es bei Bedarf versatzstückartig in seine Gemälde, Radierungen oder gezeichneten Bildfindungen zu integrieren.
Das Blatt "Baumgruppe und ruhender Hirte" gehört zu Lorrains bedeutendsten Naturstudien, an der sowohl das majestätische Motiv, die klare, ausgewogene Komposition als auch die Intensivierung der malerischen Wirkung fasziniert. Die Zeichnung dominiert eine mächtige Baumgruppe, deren Größe durch den Kontrast zu der kleinen Staffagefigur noch eindrucksvoller zur Geltung kommt. Die Gegenüberstellung von Mensch und Natur wird zudem noch durch den schwarzen Farbton verstärkt, mit dem die Figur und der vordere Geländestreifen wiedergegeben sind, während die übrige Darstellung in Braun ausgeführt ist. Vielfältige Abstufungen - von dünnen, durchsichtigen bis zu mehrschichtig angelegten Lavierungen, die eindrucksvoll Licht und Atmosphäre vermitteln -, die Wiedergabe des Blattwerks mit kleinteilig gekurvten Linien und die Verwendung von dynamischen Parallelschraffuren zur effektvollen Behandlung der Schattenpartien sind charakteristisch für den Zeichenstil dieser vermutlich in den späten 1630er-Jahren entstandenen Studie.
vgl. Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 111.
Die Zeichnung dominiert eine mächtige Baumgruppe, deren Größe durch den Kontrast zu der kleinen Staffagefigur noch eindrucksvoller zur Geltung kommt. Die Gegenüberstellung von Mensch und Natur wird zudem noch durch den schwarzen Farbton verstärkt, mit dem Figur und vorderer Geländestreifen wiedergegeben sind, während die übrige Darstellung in Braun ausgeführt ist.
Vielfältige Abstufungen von dünnen, durchsichtigen bis zu mehrschichtig angelegten Lavierungen, die eindrucksvoll Licht und Atmosphäre vermitteln,die Wiedergabe des Blattwerks mit kleinteilig gekurvten Linien und die Verwendung von dynamischen Parallelschraffen zur effektvollen Betonung der Schattenpartien sind charakteristisch für den Zeichenstil der Albertinastudie. Eine ähnliche Strichführung findet sich in der 1633 datierten "Baumstudie" des Wildenstein Albums (Röthlisberger 1968, Nr.63) oder des Teyler Museums, Haarlem (https://www.teylersmuseum.nl/nl/collectie/kunst/l-050-boomstudie§), die Röthlisberger zwischen 1630 und 1635 einordnet (Röthlisberger 1968, Nr.60). Das Albertinablatt sieht er trotz stärkerer Betonung der lavierten Flächen ebenfalls in dieser Zeit, möglicherweise am Ende dieser Reihe, entstanden. Knab wies bereits daraufhin, daß die Zeichnung aufgrund "der majestätischen Größe und Ausgewogenheit von Motiv und Darstellung" eher in die späten 30er Jahre zu datieren sei (Knab,Widauer 1993, F.245). Sowohl in dem Wildensteinblatt als auch in der Teylerzeichnung kommt dem linearen Gefüge eine größere Bedeutung zu, während in der Albertinastudie die lavierten Partien gegenüber dem Linearment vorherrschen. Eine stilistisch und auch motivisch engere Verwandtschaft zeigt, m.E., die nach Röthlisberger um 1640 entstandene "Baumstudie" des Louvre (Röthlisberger 1968, Nr.273) : in beiden Arbeiten finden sich zwar noch die für die Frühzeit charakteristischen Kräusellinien und Parallelschraffuren, aber auch eine Intensivierung der malerischen Wirkung, die in der 1633 datierten Baumgruppe des Wildenstein Albums noch zu fehlen scheint.
Ekelhart in: AK A Quintessence of Drawing, Master Works from the Albertina, New York, Solomon R. Guggenheim Museum, 1997, Nr. 43. (in Englischer Sprache)
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/12872/baumgruppe-mit-ruhendem-hirtenImage Request