Fest im Freien
Claude Gellée gen. Claude Lorrain
Die Zeichnung gibt eine sonst nicht mehr nachweisbare Fassung des in seinen Gemälden und Radierungen häufig behandelten Themas eines ländlichen Festes wieder. Die frühesten Versionen finden sich in der um 1636 entstandenen Radierung "Tanz am Wasser"( Blum 19) und dem 1637 für Urban VIII. geschaffenen Gemälde in der Sammlung des Earl of Yarborough (Röthlisberger 1961, Fig.50).
Das Blatt der Albertina charakterisieren prägnante, dynamische Federstriche, die die nervöse Unruhe der versammelten Menschenmenge anschaulich zum Ausdruck bringen, sowie weite, lockere Graulavierungen, die die Schattenpartien in silbriges Licht tauchen. Diese Stilmerkmale finden sich in ähnlicher Weise im British Museum/Windsor-Skizzenbuch (z.B.Röthlisberger 1968, Nr.15r) und in den ersten Blättern des Liber Veritatis wie z.B.20,21 oder 28 (Röthlisberger 1968, Nr.157,158,184), was eine Datierung um die Mitte der 30er Jahre nahelegt. Die Architektur der linken Bildhälfte, die durch ihre Schrägansicht einen starken Tiefenzug der Komposition bewirkt, erinnert an die Gartenfront der Villa Medici (Knab,Widauer a.a.O.).
Christine Ekelhart, in: A Quintessence of Drawing, Masterworks from the Albertina, New York, Solomon R. Guggenheim Museum, 1997, Nr. 42. (in Englischer Sprache)
