Ein Opfer an Ceres (Die Sommer der Galerie d'Apollon in Saint-Cloud)
Anonym
Zu den Zeichnungen im Zusammenhang mit der Ausstattung von Saint-Cloud generell s. Inv. 11602.
Galerie d´Apollon
Mit Ausnahme von F 440 (= Inv. 11604) wurden die folgenden vier Blätter (F 437 – F. 440 / Inv. 11605, Inv. 11606, Inv. 11607, Inv. 11604) traditionell als Nachzeichnungen der Galerie d'Apollon in Saint-Cloud eingeschätzt ("d'apresso Mignard"). Die während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 zerstörte Ausstattung des Schlosses wurde von Mignard zwischen 1677-79 (1678 Galerie d'Apollon, 1679 Salon de Mars und Cabinet de Diane) ausgeführt. Die Galerie d'Apollon befand sich auf der premier etage des Nordflügels. Ihr Plafond zeigte 19 in Stuck ei.gelassene Leinwandbilder mit einem zentralen Deckenbild ("Apollals aufgehende Sonne") di sotto in su, begleitet von rechteckigen quadri riportati, die jeweils eine der vier Jahreszeiten darstellten. Die restliche Fläche des Plafonds wurde mit acht Medaillons mit Apollo-Szenen, die en camaieu Stuckreliefs imitierten, sowie mit Szenen di sotto in su mit Apoll, Circe und Ikarus geschmückt. Am jeweiligen Ende des Plafonds befanden sich Lünettenfelder. Die Ausstattung der Galerie d'Apollon ist uns zumindest partiell durch nur eine Originalzeichnung im Musée des Beaux-Arts in Beziers ("Der Parnass", Inv. 424), durch zahlreiche Nachzeichnungen im Louvre (GM 9949-9952) und in der Albertina (F. 437-F 440; drei Blätter sind Kopien des Jahreszeitenzyklus und ein Blatt (F 440) gibt eine der beiden Lünetten wieder), durch Tapisserien und Stiche, U. a. von J. B. Poilly, bekannt.
Für die Darstellung des Sommers wählte Mignard ein heidnisch-religiöses Opferfest zugunsten von Ceres, die Göttin der Fruchtbarkeit. Diese wird auf einem kleinen Thron von Jungfrauen durch die Felder getragen, wo auf einem antiken Tripod die Vorbereitungen zu einem Schlachtopfer getroffen werden. Das Blatt ist stilistisch mit dem "Frühling" der Albertina (F 437 = Inv. 11605) so verwandt, daß wir in diesen beiden Blättern sowie in den beiden noch folgenden dieselbe Hand zu erkennen meinen. Auch hier zeigen sich leichte motivische Veränderungen gegenüber dem auf Stichen und Tapisserien überlieferten Deckenbild Mignards. So etwa fehlt auf dem Albertina-Blatt der die kompositionelle Mitte des Bildes mitbestimmende Baum, der auch auf einer weiteren Nachzeichnung im Louvre (Inv. 31.023, GM 9950; siehe Boyer, in: Paris 1990, pp. 54/55, Nr. 27) und auf der die Darstellung wiedergebenden Tapisserie zu sehen ist.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 43, Nr. 438.
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