Die Anbetung der Könige
Andrea Andreani
um 1585/1586
Andrea Andreani führte zwei Clair-obscurs nach Entwürfen des Malers Raffaellino da Reggio aus, der um 1550 in Codemodo bei Reggio Emilia geboren wurde. Er war ein Schüler von Lelio Orsi und später von Federico Zuccari in Rom, wo er von 1572 bis zu seinem Tod im Mai 1578 lebte. Raffaellino arbeitete mit Federico 1572 bei der Freskendekoration von S. Caterina dei Funari zusammen, assistierte 1573 Lorenzo Sabatini bei Malereien im Vatikan und 1574 Giovanni de’ Vecchi bei der Dekoration der Sala del Mappomondo in der Villa Farnese in Caprarola. Zu seinen herausragenden eigenständigen Werken zählen die Fresken im Oratorio del Gonfalone und in der Kapelle des hl. Sylvester in SS. Quattro Coronati. Raffaellino zählte damals zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit. Wie Andreani in Florenz an die Vorlagen des bereits sieben Jahre zuvor verstorbenen Malers gelangte, bleibt noch zu klären. Dem Clair-obscur mit der Anbetung der Könige diente eine gegensinnige lavierte und mit Weiß gehöhte Federzeichnung über schwarzer Kreide auf graugrünem Papier im Metropolitan Museum of Art in New York (Abb. 103) als Vorlage. A. E. Popham hat das Blatt als ein Werk von Raffaellino da Reggio bestimmt (vgl. Bean 1982, Nr. 136) und den Zusammenhang mit dem Holzschnitt erkannt. Der Formschneider hat die Darstellung mit Ausnahme kleinerer Details getreu in den Clair-obscur umgesetzt. So verzichtete er etwa lediglich auf die Figuren ganz im Hintergrund. A. Bartsch hielt das Blatt für das Werk eines anonymen Künstlers, doch ist die Zuschreibung an Andreani von E. Kolloff gewiss zutreffend. Die flächige Verteilung der Farben, die malerisch aufgelöste Modellierung der Körper, die an eine Pinsellavierung erinnert, sowie die Vertiefung der Schatten durch lange Schraffuren mit der schwarzen Strichplatte entsprechen ganz der Manier Andreanis. Seinen Stil verrät auch die Umschreibung der Figuren mit dünnen, skizzenhaften Umrisslinien, die in ihrem Duktus an locker aufs Papier gesetzte Federstriche gemahnen. Raffaellinos Anbetung der Könige gibt möglicherweise den Entwurf für ein Altarbild wieder, über dessen Bestimmung nichts bekannt ist. J. Bean (1982, S. 144) hat darauf hingewiesen, dass auf einem Entwurf Raffaellinos in Edinburgh eine Anbetung der Könige als hochrechteckiges Altarbild in einer halbrunden Kapelle wiederkehrt, die K. Andrews (1968, D 1475, Fig. 704) vorsichtig mit der Dekoration einer Kapelle in S. Silvestro al Quirinale in Verbindung bringt. Die Darstellung weicht aber von der Zeichnung in New York ab und daher lässt sich nicht nachweisen, ob ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Projekten besteht. Wie bereits A. Bartsch festgestellt hat, existiert ein anderer Zustand dieses Clair-obscur-Holzschnitt, in dem die gleiche Strichplatte jedoch zwei andere Tonplatten verwendt wurden (Alvertina, Inv. DG2002/368).
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