Der Triumph des Julius Cäsar: Frontispiz
Andrea Andreani
1599
Andrea Andreani kehrte 1593 von Siena in seine Heimatstadt Mantua zurück, wo er sogleich eine Werkstatt (Boscarelli 1984) einrichtete und von Großherzog Vincenzo I. Gonzaga den großen Auftrag erhielt, Andrea Mantegnas berühmten Triumphzug Cäsars in Clair-obscur-Holzschnitten zu verewigen (Albertina, Inv. DG2002/397 - Inv. 2002/408). Andreani übernahm diese Arbeit etwa hundert Jahre nach Fertigstellung dieser Serie von neun großformatigen Gemälden, die sich heute in Hampton Court befinden (Martindale 1979, Fig. 1–50). Nicht geklärt ist, wann Mantegna mit dem Werk begonnen hat, jedenfalls geht aus einem Brief von 1486 anlässlich eines Besuchs von Herzog Ercole d’Este von Ferrara hervor, dass der Künstler gerade an den Bildern malte (Martindale 1979, S. 31ff.). Während seines Aufenthaltes in Rom (1488–1490) erwähnt sie Mantegna in einem Schreiben von 1489, woraus auch ersichtlich wird, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendet waren. Anlässlich eines Besuchs 1494 von Giovanni de’ Medici in Mantua werden die Triumphe unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt erwähnt. Sie befanden sich im Castello di Corte und waren zu diesem Zeitpunkt vermutlich fertiggestellt, spätestens aber kurz vor dem Tod des Künstlers 1506. In diesem Jahre oder wenig später kamen sie in den neuen Gonzaga-Palast bei S. Sebastiano, wo sie in einer speziellen Galerie im ersten Stock ihre definitive Anbringung fanden. In dieser sala grande hat auch Giorgio Vasari die Gemälde gesehen, der sie als die besten Werke von Mantegna rühmte (Martindale 1979, S. 186). 1629 wurden sie von König Karl I. von England angekauft. Andreanis Holzschnitte sind ein wichtiges Zeugnis für das ehemalige Aussehen dieser mit Tempera auf Leinwand ausgeführten Bilder, die im Laufe der Jahrhunderte durch Beschädigungen und Restaurierungen gelitten haben. Als antike literarische Hauptquellen für seine Bilder griff Mantegna auf Appians Beschreibung des Triumphs des Scipio Africanus, Plutarchs Schilderung des Triumphs des Scipio Africanus und Livius’ Ovationen des Marcus Marcellus zurück – Texte, die alle um 1475 in lateinischer Übersetzung in gedruckter Form vorlagen. Eine weitere bedeutende Quelle war Flavio Biondos Roma Triumphans (vgl. Portheim 1886; Martindale 1979, S. 63ff.; Hope 1992, S. 350ff.). Bei der Umsetzung in die Gemälde griff Mantegna auf seine profunden antiquarischen Kenntnisse zurück, die er sich durch das Studium von antiken Skulpturen, Bauwerken, den Reliefs von römischen Triumphbögen und Säulen sowie Darstellungen auf Münzen und Gemmen erworben hatte. Gleichwohl kommt der Darstellung des Triumphzugs Cäsars nicht durch archäologische Genauigkeit seine besondere Bedeutung zu. Der Künstler verleiht den Figuren eine heroische Größe sowie monumentale Wirkung und vermag einen antiken Triumphzug zu neuem Leben zu erwecken, wie es vor ihm keinem anderen italienischen Künstler der Renaissance gelungen ist. Mantegna steigert die Akteure in ihrem Ausdruck, lässt sie in unterschiedlichem Tempo schreiten, lässt sie vordrängen oder sich umwenden, reiht sie in Gruppen, schafft Intervalle zwischen ihnen oder verbindet sie in langen Schrägen, wodurch ein einzigartiger Rhythmus dynamischen und unaufhaltsamen Voranschreitens entsteht. Kräftige Farben setzen Akzente, und die Szenerie wird durch den Reichtum an Rüstungen und Gewändern, durch die Fülle an Trophäen, Fahnen und Kriegsgeräten aufgelockert, antike Motive, die Mantegna selten kopiert, sondern umgestaltet oder erst erfindet, denn alles ordnet sich seiner grandiosen künstlerischen Vision der Neuschöpfung dieses Themas unter. Dargestellt ist der Triumph Cäsars in Rom nach seinem glorreichen Sieg über die Gallier. Den Zug eröffnen Trompeter und Tubenbläser, denen Träger von Kohortenzeichen und Soldaten folgen, die an langen Stangen Friese mit gemalten Kriegsszenen tragen. Im nächsten Bild erscheinen Wagen, die Götterstatuen transportieren und darüber eine Fülle von Belagerungsgeräten, darunter das Modell einer eroberten Burg. Es folgt ein von Ochsen gezogener, mit Rüstungsstücken überladener Wagen, hinter dem sich Träger von Gefäßen und Geräten verschiedenster Art anschließen, die sich in dem vierten Bild fortsetzen. Auf diesem gleitet der Blick über die Opfertiere und Tubenbläser hinweg auf eine antike Ruine im Hintergrund. Sie erhebt sich auf einem Berg, der sich auf die folgende Szene hinüberzieht, in der ein Ochse und eine Gruppe von Elefanten zu sehen sind, die auf ihren Rücken Kandelaber tragen. Es folgen Männer, die einen Tisch und Gefäße auf einer Art Bahre tragen, und dahinter Soldaten, die sich unter der Last der erbeuteten Rüstungsstücke bücken. Das siebte Bild nimmt der Zug Gefangener, Frauen, Kinder, Spaßmacher und Soldaten ein. Die nächste Szene beleben tanzende Musikanten mit Leier, Tuba, Tamburin und Dudelsack. An sie schließen Soldaten mit Kohortenzeichen an, die sich umblicken und dadurch zu der abschließenden Darstellung mit dem Triumphwagen überleiten, auf dem Cäsar mit einem Palmzweig in der Linken und dem Szepter in der Rechten thront. Andreani hat für die Holzschnittfolge des Triumphzugs ein in vier Platten gedrucktes Titelblatt (Albertina, Inv. DG2002/397) geschaffen, das spiegelbildlich die Bronzebüste Mantegnas in der Grabkapelle des Künstler in Sant’Andrea in Mantua zeigt (London und New York 1992, Fig. 45) und darunter eine lange Widmungsinschrift an Vincenzo Gonzaga. Aus dieser geht unter anderem hervor, dass der Formschneider die Serie 1599 in Mantua nach Vorlagen von Bernardo Malpizzi geschaffen hat.
Literatur: Kolloff 1872, S. 722, Nr. 32; Reichel 1926, S. 36; Paris und Rotterdam 1965–1966, Nr. 59; Wien 1966, S. 142; Martindale 1979, S. 187, Doc. 33; Goldfarb 1981, S. 327ff.; Karpinski 1983, S. 156; Lincoln 2000, S. 45; Rom, Weimar und München 2001–2003, Kat. 41; Matile 2003, S. 167; Tokio 2005, Nr. 69-a; Boorsch 2008–2009, S. 48, Kat. 12
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/136083/der-triumph-des-julius-casar-frontispizImage Request