Antonio da Trento, Circe reicht den Gefährten des Odysseus den Zaubertrank, Inv. Nr.: DG2002/50…
Circe reicht den Gefährten des Odysseus den Zaubertrank
Antonio da Trento, Circe reicht den Gefährten des Odysseus den Zaubertrank, Inv. Nr.: DG2002/507
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Circe reicht den Gefährten des Odysseus den Zaubertrank

Antonio da Trento

um 1525-1527




Künstler:in (Italien, um 1500 - 1550 (?))
Nach (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1525-1527
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt von zwei Platten
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2002/507
Edition1. Zustand (Bartsch)
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/I/2/44 des Klebebandes Italien nach Sektionen I/2. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 2. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Das Blatt ist als Pendant zu einem anderen Holzschnitt (Albertina, Inv. DG2002/510), in dem Circe leichtfüßigen Schrittes und mit wehenden Gewändern auf das ankommende Boot zueilt und dabei selbst aus der Giftschale trinkt. Im hier gezeigten Clair-obscur-Holzschnitt steht sie in ruhiger Haltung vor dem Boot und reicht einem der Gefährten des Odysseus den Willkommenstrank (vgl. Albertina, Inv. DG2002/510). Er galt zwar für A. Bartsch als das Werk eines anonymen Formschneiders nach einem Entwurf von Parmigianino, doch wird die bereits von E. Kolloff vertretene Zuschreibung an Antonio da Trento weitgehend akzeptiert. Als Vorlage diente eine gleichseitige Vorzeichnung Parmigianinos in den Uffizien (Abb. 43; Popham 1971, Nr. 73, Pl. 122), in der die Szene ebenfalls in ein Hochoval eingefügt ist. Die äußerst malerische lavierte und weiß gehöhte Federzeichnung hat der Formschneider in einen mit zwei Platten gedruckten Holzschnitt umgesetzt, bei dem nicht nur die Federlinien, sondern auch die Lavierungen durch die schwarze Strichplatte wiedergegeben werden. Kreuzlagen bilden die tiefsten Schatten. Die Art, wie die scharfen, höchst lebendig gezogenen Linien den Stoffen in Ergänzung mit den Glanzlichtern und der Tonplatte eine brillante Wirkung zu geben vermögen, gibt unverkennbar den Stil Antonios zu erkennen. Parmigianinos Entwurf in den Uffizien lässt sich aufgrund der reliefhaft vor den Grund gelegten, plastisch hervorspringenden Figuren in die römische Zeit datieren. Der an Zeichnungen Perino del Vagas erinnernde Stil ist eng verwandt mit Parmigianinos Vermählung Mariens in Chatsworth oder der Anbetung der Hirten in Windsor Castle (Popham 1971, Nr. 692, Pl. 141, Nr. 644, Pl. 154), die aus der Zeit um 1525/26 stammen dürften. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass Antonio da Trento die Zeichnung als Farbholzschnitt wiedergegeben hat, als Parmigianino zwischen 1524 und 1527 in Rom weilte (eine Datierung in die bolognesische Zeit vertreten neben A. E. Popham u. a. auch A. O. Quintavalle 1948, S. 114, und A. Muzzi, in: Florenz 2003, Nr. 29–30). Das hier besprochene Exemplar überliefert den ersten Zustand des Blattes, der sich durch die Feinheit und Präzision des Liniengefüges auszeichnet (vgl. mit "Circe und die Gefährten des Odysseus", Albertina, Inv. DG2002/511). Später erwarb Andrea Andreani die Holzstöcke und fügte am linken unteren Rand sein Monogramm, den Druckort Mantua und das Datum 1602 ein (Albertina, Inv. DG2002/508, Inv. DG954). Dieser zweite Zustand unterscheidet sich von dem ersten durch die breiter druckenden Linien sowie Ausbesserungen in der Linienplatte in Form von eingesetzten kleinen rechteckigen Holzstücken, die sich in den Wolken oder an der Unterseite des hochwehenden Umhangs der Zauberin erkennen lassen. Ferner fehlen im zweiten Zustand die beiden Linien in dem Stück gerafften Segels neben dem dünnen Mast. Zu den verschiedenen druckgraphischen Reproduktionen dieser Komposition siehe D. Graf (Rom und Weimar 2001, unter Kat. 21). 

 

Literatur: Nagler 1835–1852, Bd. 4, 1837, S. 245; Kolloff 1872, S. 726, Nr. 24; Kolloff 1878, S. 154, Nr. 26; Servolini 1932, S. 60; Florenz 1956, S. 18, Nr. 27; Zava Boccazzi 1962, S. 58, Nr. 5; Paris und Rotterdam 1965–1966, Nr. 139–140 (Antonio da Trento zugeschrieben); Popham 1971, unter Nr. 73, Pl. 122; Trotter 1974, S. 238ff.; Franklin 1977, S. 30; Karpinski 1983, S. 176f.; Rom und Weimar 2001, Kat. 21 (Text v. D. Graf); Gnann 2002, S. 295; Gnann 2003, S. 89; Matile 2003, S. 148, Anm. 338, unter Nr. 60– 61; Tokio 2005, Kat. 24 (Antonio da Trento zugeschrieben); München und Frankfurt 2007–2008, Kat. 54

Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.110.6 (anonym)
  • Bibliography
  • vgl. Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 168-171
  • Provenance
  • Mariette
  • Albertina

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/137393/circe-reicht-den-gefahrten-des-odysseus-den-zaubertrankImage Request
    Last edited19.01.2015