Franz Hauer
Egon Schiele
1914/22
Der Gastwirt des Wiener Griechenbeisls, #Franz Hauer, war zwischen 1912 und 1914 der wichtigste Schiele-Sammler.
#Franz Hauer wird 1867 als Sohn eines Briefträgers in Weißenkirchen in Niederösterreich geboren. Er absolviert eine Metzgerlehre und wird ab 1897 Eigentümer des „Griechenbeisl“, einer florierenden Gastwirtschaft in der Wiener Innenstadt. Seine Leidenschaft gilt der zeitgenössischen Kunst. Ab 1908/09 beginnt Franz Hauer mit seiner Sammeltätigkeit, organisiert und finanziert Studienreisen und wird zu einer der wichtigsten Figuren des aktuellen Kunstgeschehens und zu einem der wichtigsten Sammler moderner österreichischer Kunst. Neben über 50 Gemälden von #Albin Egger-Lienz sammelt #Franz Hauer auch Werke von #Oskar Kokoschka, #Anton Faistauer und Egon Schiele. Der Kontakt zwischen #Franz Hauer und Egon Schiele kommt auf Initiative von #Arthur Roessler zustande. 1913 lässt #Hauer sich sogar ein „Vorbesichtigungsrecht“ zusichern. #Hauer erwirbt sechs weitere Bilder von Schiele.
1914 stirbt #Franz Hauer überraschend an einer Blinddarmentzündung. Der Großteil seiner Sammlung wird in zwei Auktionen von 1918 und 1920 versteigert.
Für die Porträtradierung von #Franz Hauer (vgl. auch den Abzug Inv. DG1943/352) dient die Bleistiftzeichnung der Albertina (Inv. 26671) als Vorlage. In der Kaltnadelradierung rückt Schiele den Kopf ganz in den Vordergrund: Zwei Drittel der Druckplatte nimmt der Kopf des Kunstsammlers ein. Die naturfernen geometrischen Graphismen sind gegenüber der Bleistiftzeichnung noch gesteigert.
Schiele hat sich nur wenige Monate im Frühling und Sommer 1914 auf den Vorschlag von #Arthur Roessler eingelassen, mithilfe von in Editionen verbreiteten Druckgraphiken die ökonomische Situation des Künstlers verbessern zu wollen. Tatsächlich war Schiele das langwierige drucktechnische Verfahren trotz der Wahl für die spontane und schnelle Kaltnadelradierung zu mühsam im Vergleich zu den schnell angefertigten Zeichnungen. Dazu kam, dass die Graphik in Wien außerhalb des Kunstgewerbes der #Wiener Werkstätte und im krassen Unterschied zur Wertschätzung bei den deutschen Expressionisten, kein hohes Ansehen genoss. Bezeichnenderweise fragten 1914 gleich drei deutsche Kunsthändler – #Fritz Gurlitt, #J.B. Neumann und #Hans Goltz – bei Schiele um Druckgraphiken an (J.K., S. 646, Anm.1). Bis auf wenige Probedrucke wurden zu Lebzeiten Schieles jedoch keine Abzüge von den Kupferplatten gemacht, obwohl Schiele binnen kürzester Zeit die Technik der Kaltnadelradierung souverän beherrschte und völlig neue Figur-Grund-Rand-Konstellationen auf der Platte komponierte.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 264-266.
