Erasmus Loy, Stadtwappen von Regensburg, Inv. Nr.: DG1984/104
Stadtwappen von Regensburg
Erasmus Loy, Stadtwappen von Regensburg, Inv. Nr.: DG1984/104
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Stadtwappen von Regensburg

Erasmus Loy

um 1550




Künstler:in (tätig in Regensburg um 1550 bis 1570)
Dateum 1550
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt in drei Platten (rot und braun)
Dimensions58 × 38,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1984/104
InscribedAufschrift oben: „Des heilligen Römischen Reichs Stat= / Regenspürg:"
WatermarkWappenschild mit Schrägbalken (?) (Wien 2013, Abb. S. 444)
Text

Über das Leben des Formschneiders Erasmus Loy ist kaum etwas bekannt. Den Nachschlagewerken zufolge war er in Regensburg um 1520 bis 1570 tätig, seine in der Albertina aufbewahrten Blätter (siehe auch Inv. DG1984/102, Inv. DG1984/103/1, Inv. DG1984/103/2) dürften Anfang der 1550er Jahre oder etwas früher entstanden sein. In einem Schreiben an den Rat der Stadt nennt sich Loy »Fertiger von Kunst und Flattenpapier« (Heller 1823, S. 126), was besagt, dass er sich auf die Herstellung farbig gedruckter Papiertapeten spezialisierte. Die Albertina-Blätter mit Architekturperspektiven sind Holzschnitttapeten, die auf Holz geklebt wurden und als billiger Ersatz für echte Holzintarsien dienten (Lehrs 1908; Appuhn 1976). Sie fanden Verwendung an volkstümlichen Möbeln wie Truhen und Schränken sowie an Wandvertäfelungen oder Türen, aber auch im sakralen Bereich an Kanzeln (Wien 2013, Abb. 74), Kirchenbänken und Chorgestühlen.[...]

 

Das für den Rat von Regensburg geschaffene große Stadtwappen gehört nicht zu den Holzschnitten, die Intarsien nachahmen. Es ist von zwei Druckstöcken mit je drei Platten gedruckt und zeigt auf rotem Grund zwei gekreuzte Schlüssel. Es sind die Attribute des hl. Petrus, des Patrons der Stadt und des Domes. Die silberfarbenen Partien sind in grauer und blauer Farbe mit dem Pinsel laviert. Das Regensburger Stadtwappen ist zum ersten Mal 1320 nachweisbar, erscheint nach Mitte des 14. Jahrhunderts auf Münzen, wird seit 1398 in Wappenbüchern abgebildet und seit 1540 als Wasserzeichen der Regensburger Papiermühle verwendet (Hable 1970, S. 16f.). Wappenholzschnitte gehören zu den frühesten künstlerischen Darstellungen, die unter Hinzufügung farbiger Tonplatten entstanden. Zu den ersten Beispielen zählt das Wappen des Bischofs Johann II. von Augsburg, das 1485 von Erhard Ratdolt in Venedig gedruckt wurde (Gräff 1910, Abb. 1, S. 337). Von ca. 1492 stammt das Wappen mit der Künstlerdevise Ratdolts, ebenfalls ein Farbholzschnitt (Jecmen 2012– 2014, Fig. 17). Wappen wurden häufig in sehr hohen Auflagen gedruckt, da sich die Hinzufügung von Farbplatten anstelle der vermutlich aufwendigeren Handkolorierung anbot. Wie H. Appuhn (1976, S. 94) dargelegt hat, wurden Wappen vielerorts angebracht und auf Reisen mitgenommen, wo man sie an Herbergen aufhängte. Das Wappen stand zeichenhaft für seinen Inhaber und war da am Platz, wo es galt, dessen Recht, Ehre und Besitztum zu wahren. Ein anderes Exemplar von Loys Stadtwappen mit identischer Handkolorierung befindet sich in Regensburg (Appuhn 1976, Abb. 72). H. Appuhn zufolge zeigt es auf der Rückseite einen Leimaufstrich, der für eine Benutzung dieses Clair-obscur-Holzschnittes im Freien sprechen könne. 

  

Literatur: Strauss 1975, Bd. 2, S. 633; Appuhn 1976, S. 92, 106

Catalogue raisonné
  • Hollstein German XXIII.16
  • Bibliography
  • Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 292-299, Nr. 146
  • Provenance
  • Albertina
  • alter Bestand

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/149308/stadtwappen-von-regensburgImage Request
    Last edited20.05.2020