Federico Barocci, Frauenkopf, Inv. Nr.: 554
Frauenkopf
Federico Barocci, Frauenkopf, Inv. Nr.: 554
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Frauenkopf

Federico Barocci

1568/69




Künstler:in (Urbino 1535 - 1612 Urbino)
Date1568/69
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und weiße Kreide, Rötel, ocker- und rosafarbene Pastellstifte
Dimensions30,1 x 38,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number554
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Federico Barocci, der mit Ausnahme zweier kürzerer Aufenthalte in Rom die meiste Zeit in seiner Heimatstadt Urbino tätig war, ist einer der großen Neuerer der italienischen Malerei des ausgehenden 16. Jahrhunderts. In seinen Bildern verbindet sich Naturbeobachtung mit einer zutiefst emotionalen und spirituellen Weltsicht. Der raffinierte Kolorismus und die Fähigkeit, das seelische Empfinden der Menschen sichtbar zu machen, werden besonders in seinen zahlreichen Kopfstudien offensichtlich, von denen sich rund zehn in der Albertina befinden.
Der lebensgroße Kopf ist eine Studie für eine der Frauen, die sich in der "Kreuzabnahme" im Dom von Perugia zu der ohnmächtigen Muttergottes niederbeugen (eine weitere Studie siehe Inv. 2287). Das in Perugia 1568/69 ausgeführte Altargemälde ist das monumentalste, das Barocci nach der Rückkehr aus Rom in seine Heimat gemalt hat, und stellt den ersten Höhepunkt seines nun zur vollen Reife entwickelten Stils dar. Um sich die beabsichtigte Farbwirkung im Planungsprozess zu vergegenwärtigen, hat der Künstler gerne verschiedene Kreiden und Pastellfarben auf getönten Papieren verwendet, wie bei dem Frauenkopf, der nur mit geringen Veränderungen ins Bild übernommen wurde. Das blaue Papier gibt den Grundton an, der unter den Farben durchwirkt und der über ein Hellblau zu einem reinen Weiß aufgehellt bzw. über ein Violett zum Schwarz hin abgedunkelt wird. Mit dem ockerfarbenen Fleck rechts neben der Stirn ist die Farbe des Gewandes angedeutet, und ebenso nehmen die roten Schraffuren den Stoff des Kleides der im Gemälde weiter hinten stehenden Frau vorweg. Die charakteristischen Gesichtszüge der Frauengestalt sind mit wenigen Kreidestrichen flüchtig angedeutet, wobei die Töne im Halbschatten die intensivste Leuchtkraft entwickeln. In diesem Blatt ging es dem Künstler weniger um die spezifische Haltung des Kopfes. Durch die schwungvollen Umrisslinien, das streifende Licht und den fließenden Verlauf der Farben wird vielmehr die Dynamik der Bewegung und die Intensität des Ausdrucks gesteigert. So macht der Künstler das tiefe Empfinden dieser entsetzten Frauengestalt sogleich spürbar.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 60.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 650
  • Stix 1932, 375
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • Schmarsow 1915, p. 31
  • Olsen 1962, S. 153
  • Emiliani 1985, Bd. 1, S. 70, Abb. 114
  • Schröder 2008, Nr. 60 (A. Gnann)
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 134 und 136.
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.61, Kurt Zeitler, Den Menschen vor Augen. Künstlerische Strategien seiner Darstellung in italienischen Zeichnungen, zugleich Ausst. Kat. Pinakothek der Moderne, München 2025, S. 165, Abb. 29
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/22950/frauenkopfImage Request
    Last edited14.03.2025