Federico Barocci, Kopf eines alten, bärtigen Mannes, Inv. Nr.: 556
Kopf eines alten, bärtigen Mannes
Federico Barocci, Kopf eines alten, bärtigen Mannes, Inv. Nr.: 556
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kopf eines alten, bärtigen Mannes

Federico Barocci

1584-1586




Künstler:in (Urbino 1535 - 1612 Urbino)
Date1584-1586
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und weiße Kreide, Rötel, braune, ocker- und rosafarbene Pastellstifte
Dimensions34,9 x 23,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number556
Inscribedl.u. mit Feder "No. 531" und "Nourry" [?]; r.u. "Guido"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Der lebensgroße Kopf eines alten, bärtigen Mannes ist eine Vorzeichnung für den hl. Zacharias in dem Altargemälde der "Heimsuchung" in der Chiesa Nuova in Rom. Der Heilige neigt dort sein Haupt nach links und blickt mit Verwunderung auf Elisabeth und die Muttergottes herab. Auch in dieser Pastellstudie nehmen die Farben der Kreiden diejenigen des ausgeführten Gemäldes vorweg, und wie so häufig ist auch in dieser Zeichnung der graugrüne Ton des Papiers in diese Wirkung mit einbezogen. So ist der Grund an der Schläfe und in den Augenhöhlen ausgespart, um dort einen Halbschatten anzudeuten, während sich unterhalb die Papierfarbe mit der weißen und gelben Kreide verbindet und den Bart mit einem sfumatesken Schleier umhüllt.
Der lebensnahe Ausdruck des Gesichts, das starke innere Anteilnahme widerspiegelt, setzt wohl das Studium eines Modells voraus. #Giovanni Pietro Bellori, Baroccis Biograf, berichtet, der Künstler habe auf der Straße und auf Plätzen menschliche Charaktere genau beobachtet und Leute mit besonders einprägsamen Gesichtszügen als Modelle zu sich nach Hause eingeladen (vgl. Turner 2000, S. 189). Die Funktion des Wiener Blattes entsprach möglicherweise der von Hilfskartons, wie sie u. a. Raphael oder Perugino verwendet haben. Vom Karton übertrug man wichtige Einzelheiten wie Köpfe oder Hände auf andere Blätter, die Hilfskartons, um sich die Charakterzüge, die Haltung und die Lichtführung kurz vor dem Malbeginn nochmals zu vergegenwärtigen. Allerdings fehlen auf Baroccis Blatt Spuren einer Übertragung, die mittels Durchgriffelung oder Durchstechen der Umrisslinien erfolgte. Die Zeichnung entstand daher vermutlich weitgehend frei, ohne unmittelbare Vorlage eines Kartons.
Die außergewöhnlich große Zahl an erhaltenen Vorzeichnungen für die "Heimsuchung" dokumentiert, mit welcher Sorgfalt Barocci das Gemälde vorbereitet hat. Er malte es im Auftrag der Oratorianer der Chiesa Nuova für die Cappella della Visitazione. Gemäß einem zeitgenössischen Bericht löste es große Bewunderung, ja tiefste religiöse Ergriffenheit bei dem Gründer des Oratorianerordens, #Filippo Neri, aus, der es zu seinen liebsten Bildern zählte.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 61.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SR 652
  • Stix 1932, 383
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • Schmarsow 1915, p. 35
  • H. Olsen, Federico Barocci, Kopenhagen 1962, Kommentar zu Nr. 38
  • A.K. Wien 1969, Nr. 261
  • A.K. The Graphic Art of Federico Barocci (bearb. v. E. P. Pillsbury/L. S. Richards), Cleveland (Museum of Art) 1978, p. 76, Kommentar zu Nr. 53
  • A. Emiliani, Federico Barocci, Pesaro 1985, II, p. 225, Nr. 466
  • AK New York u. a. 1997-1999, Nr. 26 (V. Birke)
  • AK Sydney 2002, Nr. 38 (H. Widauer)
  • Schröder 2008, Nr. 61 (A. Gnann)
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.60
  • Provenance
  • J.-B. Nourri
  • Pierre Remy
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23278/kopf-eines-alten-bartigen-mannesImage Request
    Last edited15.09.2020