Zwei sitzende Krieger in antiker Kleidung
Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
1529-1530
Wie #Giulio Romano gehört Perino del Vaga zu jenen talentierten und erfolgreichen Malern, die nach #Raphaels Tod dessen Stil weiterentwickelt und für eine weite Verbreitung außerhalb Roms gesorgt haben. Im Jahr 1528 begab er sich zu #Andrea Doria nach Genua, um dessen Palast, wie kurz zuvor Giulio Romano in Mantua, zu einem der glanzvollsten Fürstenhöfe Italiens zu verwandeln. In der Loggia des Piano Nobile des Palazzo Doria malte Perino eine Versammlung riesiger heroischer Kriegerfiguren in teils antikischen, teils realen Kostümen. Sie stellen die Ahnherren des Seefahrergeschlechts dar und bilden somit eine glorreiche Familiengenealogie des Hauses Doria, die zugleich deren Herrschaftsanspruch legitimieren soll. Leuchtende Farben und die illusionistisch hervortretenden Sockel und Throne lassen sie äußerst lebensvoll erscheinen, wobei sich ihre rhythmisch bewegten, gespreizt wirkenden Posen überschneiden und kompliziert miteinander verflechten. Perino führte die Malereien um 1530 aus, da dieses Datum am Architrav einer Tür in der Loggia erscheint. Die sorgfältig ausgearbeitete Vorzeichnung in der Albertina für zwei der Krieger ist bereits zur Übertragung auf den Karton quadriert und wurde bei der Ausführung im Fresko fast ohne Veränderungen übernommen. Wie häufig bei seinen modelloartigen Entwürfen griff Perino zum Rötelstift, mit dem er alle Details, die organische Bewegung des Körpers, die Licht- und wohl auch die spätere Farbwirkung in feinsten Linien und differenziert abgestuften Schraffuren festhalten konnte. Vorhergegangen waren diesem Blatt flüchtige Federskizzen und erste allgemeinere Figurenstudien, wie sie in verschiedenen Sammlungen noch erhalten sind (Davidson 1959; AK Linz 1991, S. 50 ff., Abb. S. 51 und Abb. 1-6). Wie man aufgrund des vom rechten Rand überschnittenen Knie der einen Gestalt festgestellt hat, war die Zeichnung einst Teil eines größeren Gesamtentwurfes, mit dessen Hilfe sich Perino vor der endgültigen Ausführung nochmals das Aussehen der Komposition verdeutlichte. Als Vorbilder wurden u.a. zu Recht die von Raphael entworfenen Porträts römischer Kaiser in der Sockelzone der Stanza dell´Incendio genannt. Diese sind jedoch in Goldgrisaille gemalt und unterscheiden sich in ihrer antikischen Strenge von der flächig dekorativen Auffassung dieser Figuren. Deutlich wird hier der Einfluss der ausgefallenen Posen von #Michelangelos "Ignudi" der Sixtinischen Decke, die Perino wie gleichzeitig #Parmigianino und #Rosso Fiorentino abwandeln in einen betont raffinierten und eleganten Figurenstil, der für die römische Kunst der zwanziger Jahre charakteristisch ist. Unmittelbar vor seinem Weggang aus Rom arbeitete Perino gemeinsam mit Rosso an den Entwürfen für die Stichserie der "Götterlieben", in der alle Elemente dieses Stils bereits ausgebildet sind. Perino wird ihn anschließend in Genua noch weiterentwickeln.
Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 72, S. 180.
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