Raffaello Santi, David schlägt Goliath das Haupt ab (Studie für das Deckenfresko in den Loggien…
David schlägt Goliath das Haupt ab (Studie für das Deckenfresko in den Loggien, Vatikan)
Raffaello Santi, David schlägt Goliath das Haupt ab (Studie für das Deckenfresko in den Loggien, Vatikan), Inv. Nr.: 178
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

David schlägt Goliath das Haupt ab (Studie für das Deckenfresko in den Loggien, Vatikan)

Raffaello Santi

1516-1518




Künstler:in (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Date1516-1518
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide
Dimensions24,2 x 32,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number178
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Vorstudie für das Fresko "David erschlägt Goliath" im elften Joch der Loggien Raphaels. Für die traditionelle Zuschreibung an Raphael, die erst im späten 19. Jahrhundert angezweifelt wurde, ist zuerst Oberhuber (1966) wieder eingetreten. Die Zeichnung bildet gegenüber den anderen erhaltenen Entwürfen eine Ausnahme in zweierlei Hinsicht: Sie ist eine vorbereitende Studie, die erst später zu einem Modello ausgearbeitet wurde und ist in schwarzer Kreide gezeichnet, während die erhaltenen Modelli lavierte Federzeichnungen mit Weißhöhung bzw. reine Federzeichnungen sind. Durch die Kreide entsteht eine besonders weiche und malerische Wirkung, und durch den lebhaften Wechsel von Licht und Schatten und den fließenden Umriss kommt vor allem das Spontane der Bewegungen zum Ausdruck. Wie anschaulich macht Raphael durch wenige Schraffuren die beherzte Drehung des jugendlichen David, die sich sogleich durch das Licht, das ihn umströmt, mit dem Umraum verbindet. Goliath ist völlig zu Boden gedrückt, so dass ein letzter Rest des Widerstandes vergeblich ist. Oberhuber (1972) hat darauf hingewiesen, dass die Figuren aufgrund von Modellstudien entstanden sind, was an dem Studiogewand des fliehenden Philisters erkenntlich wird. Die Darstellung ausgefallener Bewegungen mit schwierigen Verkürzungen an kompositionell wichtigen Stellen machte für einige der Loggienbilder offensichtlich Detailstudien erforderlich, in denen sich Raphael auch mit Draperien und den Lichtverhältnissen beschäftigt hat, die für ihn immer von großer Bedeutung für den Gesamteindruck sind. Raphael hat in der Zeichnung nur die zentralen Motive wiedergegeben, durch die zugleich die beiden wesentlich Diagonalen gebildet werden, die in den Raum führen. Im Fresko wird der Fliehende stärker gedreht und dadurch eine der Diagonalen noch betont. Das Gewölbebild ist gegenüber der Zeichnung seitenverkehrt. Dies ist nicht ungewöhnlich für Raphael, der sich spätestens seit den Entwürfen zu den Teppichkartons mit der Umkehrung der Kompositionen befasste. Dabei könnten David und Goliath auf der Wiener Zeichnung aus einem Motiv in der Loggienszene "Josua bringt Sonne und Mond zum Stillstand" entwickelt sein, in der rechts unten zwei Kämpfende in derselben Richtung erscheinen. Man hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Herkunft der David und Goliath-Gruppe weniger von #Michelangelos Zwickelfresko in der Cappella Sistina, als von antiken Motiven auf Herkulessarkophagen oder - noch überzeugender - von Mithras, der den Stier tötet, abzuleiten ist (vgl. Oberhuber 1972, S. 173; Andrus-Walck 1986, S. 361 f.). Im Fresko, das vermutlich #Perino del Vaga nach den heute verlorenen Modello gemalt hat (Oberhuber 1972, S. 160; Dacos 1977, S. 196), sind nun auch die weiteren Figuren eingefügt, der Körper Goliaths ist wesentlich kräftiger und greift ein etwas verändertes Schild, und der Fliehende ist in voller Rüstung dargestellt.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 105, S. 168.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 216
  • Stix 1932, R 114
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • gest. von M. Raimondi
  • Bartsch 1803-1821, p. 12, Nr. 10
  • Weigel 6417
  • Braun 135 - Passavant 1860, Bd. 2, S. 431, Nr. 169
  • Waagen 1867, S. 143, Nr. 176
  • Ruland 1876, S. 224, XLII, Nr. 8
  • Crowe/Cavalcaselle, 1885, Bd. 2, S. 344
  • Morelli 1891/92, S. 573, Nr. 135 (wertlos)
  • Wickhoff 1892, S. XXII (Kopie nach dem Fresko)
  • Dollmayr 1895, S. 290
  • Fischel 1898, S. 98, Nr. 235 (Kopie nach dem Fresko)
  • Stix 1932, S. 17, Nr. 114 (G. F. Penni)
  • K. Oberhuber, Observations on Perino del Vaga as a draughtsman, in: Master Drawings IV, 1966, 2, p. 175, Anm. 40
  • Oberhuber 1966, S. 181, Anm. 40
  • Oberhuber 1972, S. 158f., S. 172f., Kat. Nr. 468, Taf. 68
  • Dacos 1977, S. 195f., Tav. XLIII b
  • AK Wien 1983, S. 132ff., Nr. 44
  • Joannides 1983, Taf. 40, Kat. Nr. 390
  • Knab/Mitsch/Oberhuber 1983, Nr. 583
  • Trotter 1974, S. 80
  • Andrus-Walck 1986, S. 361f.
  • Parma Armani 1986, p. 20, Anm. 12 (irrtümlich als n. 168)
  • Gere 1987, p. 164, Kommentar zu Nr. 43
  • AK New York 1987, S. 17 (wahrscheinlich Raphael)
  • F. Valli, La strage degli innocenti di Guido Reni, in: Atti e memoire 22, 1988, p. 144, Taf. 60
  • AK Wien 1989-1990, S. 70, Abb. II/44
  • Oberhuber 1992, p. 103, Fig. 2
  • Birke/Kertész 1992, Bd. 1, S. 99f.
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 105 (Text von A. Gnann)
  • AK London u.a.a.O. 1999 – 2001, S. 127, S. 130, unter Nr. 33
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004-2005, Nr. 40 (Text v. A. Gnann)
  • Dacos 2008, S. 213f., Taf. 155 (Perino del Vaga)
  • AK Haarlem 2012/2013, Kat. 49 (Text von A. Gnann)
  • Historical Attributions
  • traditionell, Oberhuber, Joannides, Dacos, Parma Armani
  • Raimondi, Marcanton nach (Dollmayr)
  • Raffaello Santi Schule des (Fischel)
  • Raffaello Santi nach (Wickhoff)
  • Penni, Giovanni Francesco (Stix)
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    zum verwandten Werk

    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23520/david-schlagt-goliath-das-haupt-ab-studie-fur-das-deckenfreImage Request
    Last edited16.08.2021