Venus und Adonis (Studie für die Fresken im Badezimmer des Kardinals Bernardo Dovizi da Bibbiena, Vatikan)
Giulio Romano
1516
Vorzeichnung für die Szene "Venus und Adonis" im Badezimmer (Stufetta) des #Kardinals Bernardo Dovizi da Bibbiena. Die Stufetta gehörte neben der ebenfalls mit Fresken ausgemalten Loggetta zu den privaten Räumlichkeiten des Kardinals. Diese liegen auf der Höhe des dritten Loggiengeschosses im Vatikanischen Palast und wurden unter #Raphaels Leitung ausgestattet. Im April 1516 war die Ausmalung im Badezimmer sicher im Gange, wenngleich noch nicht alle Szenen festgelegt waren. Eine antike Venusstatue, die für eine der beiden Nischen vorgesehen war, stellte sich offensichtlich als zu groß heraus. Bereits am 20. Juli 1516 wird von der Vollendung des gesamten Appartements berichtet (Golzio 1936, S. 48). Die Bedeutung der Dekoration liegt in ihrem gänzlich antikischen Charakter. Ornamente, Bildfelder, Grotesken und selbst die Farben und die Maltechnik orientieren sich an antiken Vorbildern (Dollmayr 1890, S. 274 ff.). Raphael hat diese in seinem um 1516 ausgebildeten antiquarischen Stil zu neuem Leben erweckt. Die Ausführung überließ Raphael wohl weitgehend Giulio, #Giovanni Francesco Penni und #Giovanni da Udine (Oberhuber 1972, S. 144; vgl. dagegen Dacos 1986, S. 229 ff.). Die Albertina-Zeichnung ist für eines der Wandbilder (Norden) in der Stufetta, auf denen verschiedene Episoden aus dem Leben der Venus und daneben "Pan und Syrinx" und die "Geburt des Erichthonius beim Kampf von Vulkan und Minerva" dargestellt sind. Neben zwei Kopien und einem Abklatsch, welche die verlorene Entwürfe zu den Bildern dokumentieren, existieren zwei weitere Vorzeichnungen mit den Darstellungen "Pan und Syrinx" (Paris, Louvre) und "Venus und Amor" (Windsor, Royal Library), die nun beide Raphael zugeschrieben werden (Oberhuber 1972, Nr. 454a, Abb. 148 und Nr. 454, Taf. 54 noch als Giulio Romano). Wie auf diesen beiden Entwürfen sind "Venus und Adonis" all´antica aufgefasst. Die Körper sind klassisch proportioniert, die Glieder sind plastisch und überall gerundet, die Oberfläche ist von einer marmorartigen Glätte, und die Bewegungen sind geschmeidig, fast selbstgefällig. Im Gegensatz zu den beiden Zeichnungen Raphaels jedoch, in denen sich die Figuren ganz ungezwungen bewegen, ist Venus hier geradezu an Adonis herangedrückt und wirkt durch die ungeschickt unter dem Stoff verborgenen Beine unorganisch. Hüfte und Schulter zeichnen sich scharfkantig ab, und auch das spitz zulaufende, schlecht verkürzte Gesicht des Adonis ist unkörperlich. Zur der Flächigkeit kommt eine Isolierung, eine Bezugslosigkeit im Raum. Diese qualitativen Mängel haben wohl zu Recht zu einer heute allgemein akzeptierten Zuschreibung an Giulio Romano geführt. Es handelt sich dabei um eine der frühesten erhaltenen Zeichnungen des Künstlers. Da die Figurenauffassung aber von den beiden Zeichnungen Raphaels abhängig ist und in den Blicken von "Venus und Adonis" eine Gefühlstiefe zu erkennen ist, die nicht unbedingt typisch für Giulio ist, dürfte die Zeichnung auf einem Entwurf Raphaels basieren.
Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 39, S. 100.
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