Die Madonna nach links in einer Engelglorie schwebend
Baldassare Franceschini, gen. il Volterrano
1667-1669
Wie Fabbri (1986, 1995) ausführlich darstellte, arbeitete Volterrano zwischen 1664 und 1669 an der Gestaltung der Deckengemälde des Langhauses von SS. Annunziata in Florenz. Anfänglich waren drei Kompartimente vorgesehen, das erste mit der „Flucht nach Ägypten" von Franceschini, das zweite mit der „Darbringung im Tempel" von Livio Mehus und das dritte, die „Himmelfahrt Maria" von Ciro Ferri (vgl. Entwurf der Albertina Inv. 1092; Birke/Kertesz I, p. 557). Die Anregung für die Ausstattung der Decke kam von Erzherzog Ferdinand Karl von Tirol (1628—1662) anlässlich seines Aufenthaltes in Florenz für die Hochzeit von Cosimo III. de'Medici (1642-1723) mit Marguerite Louise d'Orleans (1645-1721), im August 1661 (Fabbri 1995, p. 43, doc. 1). Auftraggeber wurden 1663 Kardinal Leopoldo de'Medici und sein Bruder Mattias (Fabbri 1995, doc. 2), nicht ohne Wissen des Großherzogs Ferdinand II. (1610—1670). Letztlich durch den Tod Mattias de'Medicis im Oktober 1667 kam es zu einer Reduzierung des Auftrages an Franceschini auf die ausgeführte Fassung 2291 der „Himmelfahrt Maria", wie sie sich heute in SS. Annunziata präsentiert (Fabbri 1995, Fig. 14). Eine Gruppe von Zeichnungen wird mit diesem ersten Planungsstadium in Verbindung gebracht: Skizze der ganzen Komposition der „Flucht nach Ägypten" in der Stiftung Ratjen in Vaduz (Inv. Nr. R 848; McCorquodale 1980, Lot 37; A.K. Florenz 1986, Nr. 2.309; A.K. Vaduz 1995, Nr. 24; Fabbri 1995, Fig. 4) und ein detaillierter ausgeführter Entwurf in den Uffizien (Inv. Nr. 3188S; A.K. Florenz 1986, Nr. 2.309; Fabbri 1995, Fig. 5), dem die Zeichnung der Albertina Inv. 977 (Birke/Kertesz I, p. 504) entspricht, die Fabbri eher für eine Kopie nach der Florentiner Vorlage hält und dem Umkreis Franceschinis um 1665, vielleicht Cosimo Ulivelli, zuschreibt (Fabbri 1995, p. 24, Anm. 23). Die vorliegenden Detailstudien greifen die Madonna mit Kind der „Flucht nach Ägypten" heraus, eine weitere Studie in der Albertina (Inv. 23900) einen der schwebenden Engel, wie ihn auch der bozzetto in einer römischen Privatsammlung (M. Gregori, A proposito delle opere facete del Volterrano e di un suo dipinto appartenuto al Baldinucci, in: Scritti di storia dell'arte in onore di Roberto Salvini, Florenz 1984, p. 522, Anm. 10, Taf. CLXVIII) zeigt. Eine Studie für das rechte Bein des heiligen Joseph in den Uffizien (Inv. Nr. 3405S; A.K. Florenz 1986, Kommentar zu Nr. 2.309) fügt Fabbri hinzu. Architekturskizzen zur verworfenen Komposition der „Flucht nach Ägypten" (Uffizien Inv. Nr. 3188S; Albertina Inv. 977 (Birke/Kertesz I, p. 504)) finden sich auf einer weiteren Zeichnung der Albertina (Inv. 23907). Dem ausgeführten Deckengemälde Franceschinis der „ Himmelfahrt Maria" in SS. Annunziata (Fabbri 1995, Fig. 14) nähern sich der Entwurf im J. Paul Getty Museum in Malibu (Inv. Nr. 88.GG.110; A.K. Bremen 1994, Kommentar zu Nr. 55; Fabbri 1995, p. 35, Fig. 19) sowie der bozzetto in einer römischen Privatsammlung (A.K. Bozzetti, modelli e grisailles del XVI al XVIII secolo (bearb. v. E. Borea, M. Di Giampaolo, S. Prosperi Valenti Rodinö et al.), Torgiano (Museo del Vino) 1988, Nr. 44; Fabbri 1995, Fig. 20), in denen die Gestalt Mariens, mit ausgebreiteten Armen dargestellt, sowohl einer Zeichnung in der Albertina (lnv. 23895a) als auch einem Entwurf in der Stiftung Ratjen in Vaduz (Inv. R 308; A.K. Vaduz 1995, Nr. 25) entspricht. Franceschinis bozzetto in der Sammlung Giovanni Pratesi in Florenz (Fabbri 1995, Fig. 13) zeigt die letzten Änderungen der Komposition vor ihrer Ausführung als Deckengemälde (Fabbri 1995, Fig. 14). Dieses selbe Motiv der Madonna mit ausgebreiteten Armen wurde von Volterrano allerdings nicht nur an der Decke der SS. Annunziata verwendet, sondern um 1677 auch in einem Gemälde mit den Heiligen Katharina von Siena und Marguerita von Cortona für die Kirche S. Felicita in Florenz, heute in den Uffizien (Inv. Nr. 600; Gli Uffizi. Catalogo Generale, Florenz 1979, P 1893) und nochmals in dem Gemälde der „Auferstehung Mariä" in der Abtei von Vallombrosa (A.K. Bremen 1994, Kommentar zu Nr. 55, Abb. 2). Zum Gemälde in Vallombrosa und seiner Entwurfszeichnung vgl. Albertina Inv. 23896. Zur Ausführung des einzigen von Franceschini ausgeführten Deckengemäldes in SS. Annunziata, „Himmelfahrt Mariä", und zu weiteren Studien vgl. A.K. Florenz 1986, Nr. 2.311 und Fabbri 1995, Fig. 15, 16, 17, 18, 21).
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, IV, Wien/Köln/Weimar 1997, S. 2270, Nr. 23895a.
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