Bartolomäus Spranger, Venus und Amor auf einem Delphin, Inv. Nr.: 7994
Venus und Amor auf einem Delphin
Bartolomäus Spranger, Venus und Amor auf einem Delphin, Inv. Nr.: 7994
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Venus und Amor auf einem Delphin

Bartolomäus Spranger

um 1580-1585




Künstler:in (Antwerpen 1546 - 1611 Prag)
Dateum 1580-1585
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Schwarzbraun, über Kohle oder schwarzer Kreide, braun laviert, weiß gehöht
Dimensions18,8 x 20,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number7994
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Bartholomäus Spranger war neben Hendrick Goltzius der wohl einflussreichste niederländische Zeichner des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Wie viele seiner Landsleute hatte er früh seine Heimat verlassen und im Ausland Karriere gemacht. In Rom arbeitete er für Kardinal Alessandro Farnese und Papst Pius V., bevor er 1575 nach Wien übersiedelte. Ab 1581 gehörte er als Hofmaler Rudolfs II. zu den prägenden Persönlichkeiten der Prager Hofkunst. Seine Zeichnungen waren unter den Zeitgenossen hoch geachtet: »Als Zeichner weiß man seinesgleichen nicht, so hervorragend schön arbeitet er mit der Feder«, schrieb Karel van Mander und berief sich dabei auf das Urteil seines Freundes Goltzius.

Die Wiener Venus zeigt den Spranger-Stil in seiner schönsten Form: souverän in der Handhabung der Feder, mit zart schwingenden, teils gedoppelten, teils eckig umbrechenden Konturen, deren An- und Abschwellen schon in den Umrissen ein Gefühl von Plastizität vermittelt. Die gebaute Pose der Venus erinnert an Sprangers Gemälde der frühen 1580er-Jahre (z. B. Hermaphroditos und die Nymphe Salmakis; Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv. GG 2614). Hier sorgen der zurückgesetzte, schattig abgetönte rechte Oberarm und das scharf abgewinkelte Handgelenk für den typisch pointierten Umriss. Das sinnlich schimmernde Inkarnat erzielte Spranger mit teils hauchdünn, teils pastos aufgetragenem Deckweiß. Die weiße Farbe diente zugleich zur Übermalung verworfener Partien wie dem ursprünglich zu lang proportionierten linken Arm der Göttin.

In Technik und Stil verwandt ist Sprangers Büßende Magdalena in Besançon (vor 1585; Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie, Inv. D 282). Eine Jan Muller (1571–1628) zugeschriebene Darstellung Jupiters steht dem Wiener Blatt ebenfalls sehr nahe, ist aber noch breiter und expressiver gezeichnet und demonstriert beispielhaft die Spranger-Rezeption im Werk des jungen holländischen Stechers.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 65, S. 142.


Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 279
  • Bibliography
  • Benesch 1928, S. 30, Nr. 279
  • Niederstein 1931, S. 5, 23, Nr. 2
  • Oberhuber 1958, S. 97, Nr. 63
  • Oberhuber 1970, S. 213, 222 n 2
  • Forster 1974, S. 256 – 257, 259, Nr. 18
  • AK Prag 1978, Nr. 20
  • Koschatzky 1981, S. 255f
  • Gerszi 1988, S. 308
  • AK Wien 1988, Bd. 2, S. 174, Nr. 642
  • AK Albertina 2013, Nr. 65
  • AK New York 2014, S. 186f, Nr. 99 (Metzler).
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/28868/venus-und-amor-auf-einem-delphinImage Request
    Last edited13.07.2021