Adriaen de Vries, Herkules, Deïaneira und Nessus, Inv. Nr.: 7998
Herkules, Deïaneira und Nessus
Adriaen de Vries, Herkules, Deïaneira und Nessus, Inv. Nr.: 7998
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Herkules, Deïaneira und Nessus

Adriaen de Vries

um 1605




Künstler:in (Den Haag um 1556 - 1626 Prag)
Dateum 1605
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun über Skizze in Kohle oder Kreide, braun laviert, weiß gehöht
Dimensions38,8 x 32,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number7998
InscribedM.u. "1[?]60" (Feder in Braun)
Signedl.u. Rest einer Beischrift "B Spranger" (Kreide oder Bleistift, ausgelöscht)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Nicht nur Maler und Zeichner arbeiteten am Hofe Rudolfs II., sondern auch Kupferstecher, Goldschmiede und Bildhauer, und oft setzten sie sich im künstlerischen Wettstreit mit den gleichen Bildthemen auseinander. Es war der Kaiser selbst, der diesen Paragone stimulierte, um sie auf diese Art zu Höchstleistungen anzuspornen. Zu den gattungsübergreifenden Favoriten gehörte die Geschichte von Herkules, Deïaneira und Nessos aus den Metamorphosen des Ovid (IX, 98– 133). Der Zentaur Nessos hatte sich erboten, die junge Frau des Herkules über einen Fluss zu tragen, wollte ihr anschließend jedoch zu nahe treten und wurde daraufhin von Herkules mit einem Pfeil niedergestreckt. Auch Bartholomäus Spranger hatte das Thema gemalt (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv. GG 2613). Ihm war unsere Zeichnung früher zugeschrieben, bevor Eliška Fučíková Adriaen de Vries als Urheber identifizierte.

Wie viele andere Bildhauer entwickelte auch De Vries seine Objekte mithilfe der Zeichnung. Das Wiener Blatt entstand allerdings nicht als Vorstudie zu seiner berühmten Bronzeskulptur (Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, Inv. 66 /100; AK Wien 1988, Nr. 62), sondern diente wohl als freier Entwurf zu einem Relief. Der für Spranger ganz untypisch breitfleckige Farbauftrag lässt sich gut als Vorwegnahme der lebendigen Lichtreflexe auf dem polierten Metall interpretieren.

Heute kennt man nur zehn eigenhändige Zeichnungen des Adriaen de Vries. Das Wiener Blatt wurde ausgehend von den Ziffern »160…« in das erste Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts datiert. Dies ist aus stilistischer Sicht sinnvoll, doch könnte es sich bei der Beischrift ebenso gut um die Nummer eines Sammlers handeln: Die vierte Ziffer fehlt ganz, und die verwendete Tusche stimmt im Farbton nicht mit der Zeichnung überein.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 64, S. 140.


Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 284
  • Bibliography
  • Niederstein 1931, S. 5–6, 23, Nr. 3
  • Oberhuber 1958, S. 71, 256, Nr. 58
  • Oberhuber 1970, S. 219
  • Larsson 1972, S. 69
  • DaCosta Kaufmann 1984, S. 207 – 208
  • AK Wien 1988, Nr. 669
  • A.K. Rudolf II. and Prague. The Court and the City, bearb. von E. Fuc?íková, Prag, London 1997, S. 454, unter Nr. I.317 und I.318
  • T. DaCosta Kaufmann, "Die Zeichnungen des Adriaen de Vries und ihre Stellung in der Tradition der Bildhauerzeichnungen", in: AK Augsburg 2000, S. 73
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 64.
  • Provenance
  • Charles Antoine Prince de Ligne (1759–1792), Brüssel (Auktion bei Aloys Blumauer, Wien, ab 4. November 1794
  • Lugt Rep. 5245) (Bartsch 1794, p.244 f., Nr.5)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/28872/herkules-deianeira-und-nessusImage Request
    Last edited09.02.2026