Minerva mit dem Lukas-Schild
Bartolomäus Spranger
um 1591-1595
Die Göttin der Weisheit und Verkörperung der Tugend ist hier als Schutzherrin der Malerei inszeniert. Mit einer Palme in der Rechten stützt sich Minerva auf den Lukas-Schild der Malergilde. Ihre entblößte Brust charakterisiert sie als »Sapientia lactans«, als Nährmutter der Weisheit. In dieser Rolle wurde die Göttin am Hofe Rudolfs II. häufig dargestellt: Um 1591 malte Spranger Minerva als Siegerin über die Unwissenheit (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv. GG 1133) und 1628 erschien postum nach seinem Entwurf der Stich Merkur führt den jungen Künstler zu Minerva (Jan Muller; Hollstein 55).
Diese Darstellungen sind Ausdruck eines neuen künstlerischen Selbstgefühls. 1595 hatte Rudolf II. der Prager Lukasgilde neue Privilegien verliehen. Nun wurde die Malerei ausdrücklich den freien Künsten zugeordnet, während die Maler in anderen Ländern nördlich der Alpen noch fest in das mittelalterliche Zunftwesen eingebunden waren. In Italien war man dieser Entwicklung weit voraus. Schon im 15. Jahrhundert hatte Leon Battista Alberti die Malerei mit den sieben freien Künsten assoziiert (De Pictura, 1435) und Spranger selbst hatte in Rom von der neuen gesellschaftlichen Stellung des Künstlers profitiert. Auch Rudolf II. schätzte den gebildeten Künstlertypus, wie er von Spranger par excellence vertreten wurde. 1595 erhob er Spranger in den Adelsstand. Der Künstler durfte nun den Beinamen »van den Schilde« führen, der, so berichtet Van Mander, schon von seinen Vorfahren verwendet wurde und zugleich eine Anspielung ist auf das niederländische Wort »schilderen« (malen).
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb 87, S. 180.
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