Porträt eines jungen Mannes
David Bailly
1628
David Bailly war der Sohn eines aus Antwerpen nach Leiden immigrierten Vaters und einer von dort stammenden Mutter. In Amsterdam war er Schüler des Antwerpener Malers #Cornelis van der Voort, der vor allem auf Stillleben spezialisiert war. Nach der Rückkehr von seiner zwischen 1608 und 1613 unternommenen Reise durch Deutschland und Italien lebte Bailly bis zu seinem Tod in Leiden. Neben seiner Tätigkeit als Maler von Bildnissen und Stillleben schuf er, soweit heute feststellbar, zwischen 1621 und 1633 eine kleine Gruppe von kaum mehr als dreißig gezeichneten, zum Teil identifizierbaren Porträts. Dargestellt hat er vor allem Professoren und Studenten aus dem Milieu der Leidener Universität, aber auch Patrizier und einige Künstler. Ausgeführt wurden die Bildnisse mit einem spitzen Pinsel, manchmal in Verbindung mit der Feder. Für diese präzise definierten, anspruchsvollen Porträts - deren Funktion als Auftragswerke auf den Stellenwert der Zeichnung als vollwertiges Medium hinweist - verwendete Bailly zumeist auf Pergament aus. Weniger häufig verwendete er Papier als Bildträger; die beiden Albertina-Blätter (Inv. 8361, 8362) gehören diesbezüglich zu den Ausnahmen. In seinem Zeichenstil orientierte der Künstler sich an der Kupferstichtechnik und an dem miniaturhaften Federstil von bewunderten Zeitgenossen wie #Hendrik Goltzius und #Jacob de Gheyn; mit Letzterem stand er in persönlicher Verbindung. Dem Leidener Stadtchronisten #Jacob Orlers zufolge hat sich de Gheyn über Baillys Porträtzeichnungen sehr lobend geäußert (Beschrijvingen der Stadt Leyden, Leiden 1641, S. 371 f.).
Die 1628 datierten, bislang unveröffentlichten Bildnisse zweier junger Eheleute, die offensichtlich als Pendants konzipiert wurden, galten ursprünglich als Arbeiten #Salomon de Brays. Aufgrund ihres Zeichenstils und des Schriftbilds der Datumsangabe können die beiden Blätter mit Sicherheit David Bailly zugeschrieben werden. Einen weiteren Hinweis auf die Autorschaft dieses Künstlers liefern die stereotypen Körper- und Kopfstellungen. Die Porträtierten konnten bisher nicht identifiziert werden, aber ihre kostbare Bekleidung - insbesondere der große Spitzenkragen der jungen Frau - lässt auf einen hohen gesellschaftlichen Status schließen. Mit größerer Freiheit als in den meisten anderen Bildnissen spielt Bailly hier den Kontrast zwischen den fein gestrichelten, subtil modellierten Gesichtspartien und der in lockeren Strichen gemalten Bekleidung aus. Obwohl die Bildnisse offenbar gleichzeitig im Rahmen ein und desselben Auftrags entstanden sind, sind Unterschiede in der Ausführung zu beobachten: Die Darstellung des Mannes wurde durch braune Federlinien in Gesicht und Haaren koloristisch bereichert. Ungewöhnlich schwungvoll gestaltete Bailly die glänzenden, schulterlangen Locken des männlichen Modells, aber auch die Haarpartie und das Spitzenhäubchen der Frau zeichnen sich durch eine höchst differenzierte Gestaltungsweise aus. Große Aufmerksamkeit galt in dieser Zeichnung auch der Oberflächenwirkung der verschiedenen Stoffe.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 33, S. 82-83.
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