Blick auf Arnheim von Süden (zusammen mit Inv. 8756)
Aelbert Cuyp
um 1642-1646
In der Panoramadarstellung verbinden sich die Stadt Arnheim und ihre ländliche Umgebung zu einem weiträumigen, lichterfüllten Gesamtbild. Mit zarter Kreide hat Aelbert Cuyp die Architektur in der Ferne gezeichnet, während der Vordergrund mit kräftigeren, dunkleren Strichen skizziert ist. Das Kolorit beschränkt sich in für ihn typischer Weise auf Ocker- und Grüntöne, zwischen denen das Weiß des Papiertons effektvoll aufleuchtet. Mit wenigen Mitteln erzielt der Künstler ein Höchstmaß an suggestiver Licht- und Tiefenwirkung.
Rahmenaußenmaß 41,2 × 72,4 × 4,2 cm
Aelbert Cuyp war das berühmteste Mitglied einer großen Dordrechter Malerfamilie. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er bei seinem Vater, dem Porträt- und Tiermaler #Jacob Gerritsz. Cuyp. Ab etwa 1640 brachte Aelbert in den Gemälden seines Vaters die Landschaftshintergründe an; er spezialisierte sich fast ausschließlich auf die Landschaftsmalerei, die er nur bis in die späten 1650er-Jahre ausübte. Während seine Bilder der frühen 1640er-Jahre noch von der monochromen Palette #Jan van Goyens geprägt sind, wird ab etwa 1645 der Einfluss des in die Niederlande zurückgekehrten Italianisanten #Jan Both wirksam. Cuyps holländische Landschaftsgemälde sind nunmehr von einem südlich wirkenden Sonnenlicht gekennzeichnet.
Zu den eindrucksvollsten Landschaftszeichnungen Aelbert Cuyps gehören die 15 "Großen Panoramen", die - vermutlich zwischen 1642 und 1646 entstanden - alle ungefähr die gleichen Maße aufweisen (circa 18 auf 45 bis 50 cm). Zu dieser Serie gehört die Zeichnung "Blick auf Arnheim von Süden", die schon im 17. oder 18. Jahrhundert in zwei ungleiche Teile zerschnitten worden ist; auf getrennten Wegen gelangten die Blätter in die Sammlung des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Bis zur späten Entdeckung ihrer Zusammengehörigkeit galten die beiden Fragmente allgemein als autonome Landschaftszeichnungen; ihre restauratorische Wiedervereinigung wurde 1993 durchgeführt.
Die Wiedergabe einer Stadt am Horizont in einem lang gezogenen Breitformat geht auf die Tradition der Stadtprofile zurück, die im 16. Jahrhundert den Plänen und Landkarten beigefügt wurden. Zu den ersten Künstlern, die diese zweckmäßig bestimmte Darstellungsform neu verwertet haben, gehörte #Jan van de Velde II., Cousin des #Esaias van de Velde (siehe Inv. 8085). Seine 1615 entstandene Serie von 18 Landschaftsradierungen in schmalem horizontalem Format hat zweifellos anregend auf Aelbert Cuyp gewirkt.
Ausgehend von vor Ort gezeichneten Skizzen fertigte Cuyp die endgültigen Kompositionen in seinem Atelier an. In unserer Panoramadarstellung verbinden sich die Stadt und ihre ländliche Umgebung zu einem weiträumigen, lichterfüllten Gesamtbild. Mit kräftigen rhythmischen Strichen der schwarzen Kreide grenzt Cuyp die Terrainschichten, die Böschungen sowie die Baum- und Sträucherkulissen klar voneinander ab. Zwischen den dominierenden Ocker- und Grüntönen leuchtet das Weiß des Papiergrundes immer wieder auf. Die suggestive Nah-Fern-Wirkung ergibt sich nicht durch atmosphärische Effekte, sondern durch den Kontrast zwischen den schweren Linien der Vordergrundpartie und den zarten Umrissen des Stadtprofils.
Das Gegenstück zu dieser Zeichnung, "Blick auf Arnheim von Nordwesten", befindet sich im Rijksmuseum in Amsterdam. Die Amsterdamer Panoramaansicht wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert durch markante dunkle Wolken "bereichert"; die Himmelspartie der Albertina-Zeichnung dagegen präsentiert sich vermutlich in ihrem ursprünglichen Zustand.
Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 94.
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