Liegender Hund
Aelbert Cuyp
um 1645
Im zeichnerischen Œuvre von Aelbert Cuyp, das von Landschaftsmotiven dominiert wird, bilden die Tierdarstellungen eine relativ kleine Gruppe. Innerhalb dieser um 1645 entstandenen Blätter sind Rinder und Ochsen, die in seinen Landschaftsgemälden eine wichtige Rolle spielen, am häufigsten vertreten, anzutreffen sind aber auch Studien von Pferden und Schafen. Eine große Seltenheit unter Cuyps Tierzeichnungen stellt die hier gezeigte detailgetreue Studie eines Hundes dar, die der Künstler später für mehrere Gemälde herangezogen hat.
In seiner Pose erinnert der Liegende Hund an die etwas manierierten Stellungen der Tiere, die Aelbert Cuyps Vater #Jacob in seiner 1641 erschienenen Serie von Radierungen wiedergegeben hat. Diese Tierdarstellungen wurden ihrerseits von Vorbildern des Utrechter Manieristen #Abraham Bloemaert angeregt (vgl. Wouter Kloek in: AK Washington/London/Amsterdam 2001/02). Bei Aelbert Cuyp überwiegt jedoch der Eindruck eines höchst konzentrierten Studiums "nach dem Leben": Meisterhaft ist hier die Anwendung der zeichnerischen Mittel. Mit größter Sorgfalt charakterisiert der Künstler das kurzhaarige, glänzende Fell, dessen feine Schattierungen zunächst mit kurzen, schwarzen Kreidestrichen angelegt wurden. Die ergänzenden Akzente erfolgten mit einem feinen Pinsel in Grau, in Verbindung mit zartgrünen Aquarellfarben; die glänzenden Stellen des Tierfells ergaben sich durch die freigelassenen Papierstellen. Gleichzeitig wird das aufmerksame Wesen des liegenden Tieres durch die sicher angelegten Konturlinien sehr subtil angedeutet. Unter den Tierzeichnungen von Aelbert Cuyp stellt diese kleine, aber einprägsame Studie zweifellos einen Höhepunkt dar.
Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 101.
