Maria und das Kind werden von Heiligen verehrt
Anthonis van Dyck
um 1619-1621
Van Dycks doppelseitig bemaltes Studienblatt erprobt zwei Varianten einer Sacra Conversazione, also einer Darstellung der von Heiligen verehrten Maria. Kannelierte Säulen, auf der Rückseite (Inv. 8637v) auch Andeutungen buschigen Grüns, weisen auf vornehmes Ambiente hin, wie es einer solchen gewichtigen Szene wohl ansteht – Aufstellung wurde offenbar in einem in freier Landschaft errichteten Tempietto bezogen. Auf der vorderseitigen Version thront Maria auf niedrigem Podest und bietet das nackte Jesuskind den sie umringenden Heiligen zur Verehrung dar. Der Älteste–Bart und spärliche Bekleidung weisen ihn als den Kirchenvater Hieronymus aus (sein Löwe beobachtet das Geschehen aus dem Hintergrund) – führt, demutsvoll kniend und sich mit respektvoller Geste verneigend, ein Füßchen des Kindes zum Mund und wird gleichzeitig vom Gottessohn gesegnet. Vorne rechts sitzt Katharina, die sich mit dem geborstenen, klingenbewehrten Rad als um ihres Glaubens gerichtete Märtyrerin zu erkennen gibt. Von den drei hinter ihr stehenden Heiligen ist der zuvorderst in Mönchstracht auftretende wohl der Ordensstifter Dominikus. Links, hinter Hieronymus, erscheinen drei weitere Männer, nämlich – in antikisierender Rüstung und das Siegesbanner präsentierend – der Drachenbezwinger Georg, ein betender Bärtiger und schließlich Sebastian, der in der Armbeuge ein Bündel Pfeile hält, mit denen der römische Soldat das Martyrium erlitten hat. Die Darstellung der Rückseite lässt das letztgenannte Trio weg und verteilt die verbleibenden Fünf seitlich der thronenden Madonna; Dominikus ist nun in den Vordergrund gerückt und setzt einen Fuß vorsichtig auf das Thronpiedestal, während Marias (hinsichtlich der Platzierung einmal korrigiertes) Gesicht gütig auf ihn herabblickt.
Der Künstler entwickelte in anderen Zeichnungen noch weitere Arrangements (Vey 1962, Nrn. 94–98), gelangte aber nie zu einer endgültigen, im Gemälde ausgeführten Fassung. Einzelne Figuren verraten selbst noch in Van Dycks Neuredaktion ihre Herkunft von Kompositionen Tizians. Rubens, vor Van Dycks Italienreise dessen wichtigster Vermittler südalpiner Bilderfindungen, malte mit seiner Werkstatt zu jener Zeit, also in den Jahren vor 1621, mehrere Variationen des Themas. Es ist anzunehmen, dass die Zeichnungen des Schülers eher in Verbindung mit einem solchen Projekt als mit einem selbstständigen Auftrag an Van Dyck stehen.
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