Herman Saftleven, Felslandschaft mit Höhenburg und einem Flusstal, Inv. Nr.: 9052
Felslandschaft mit Höhenburg und einem Flusstal
Herman Saftleven, Felslandschaft mit Höhenburg und einem Flusstal, Inv. Nr.: 9052
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Felslandschaft mit Höhenburg und einem Flusstal

Herman Saftleven

1650




Künstler:in (Rotterdam 1609 - 1685 Utrecht)
Date1650
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Pinsel in Braun, grau und braun laviert; Spuren einer vertikalen Faltung.
Dimensions33,5 x 44,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number9052
Inscribedl.u. nicht identifizierbare Beschriftung
SignedM.u. "HSLeven f 1650" (HSL ligiert)
Markingsl. u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Neben Zeichnungen mit Darstellungen von topografisch bestimmbaren Ansichten schuf Herman Saftleven eine große Anzahl von Fantasielandschaften, in denen steile Felspartien ein häufiges Motiv bilden. In stärkerem Ausmaß sind diese Arbeiten zwischen 1648 und 1652 anzutreffen. Die Nachfrage nach solchen bildhaft durchgeführten, in dezentem Grau oder Graubraun gehaltenen Blättern, von deren die meisten Signatur und Datum aufweisen,  muss ausgesprochen groß gewesen sein.
Die hier gezeigte, 1650 datierte Felslandschaft entstand noch vor der Rheinreise, die Saftleven zu Beginn der 1650er-Jahre unternommen hatte und die ihn über Jahrzehnte hinweg zu zahlreichen Zeichnungen und Gemälden von felsenreichen Flusslandschaften inspirieren sollte. Die vorliegende Landschaft ist zur Gänze ein Produkt der Fantasie und zeigt im Hinblick auf Stil und Sujet den Einfluss #Roelant Saverys, der - wie Saftleven in Utrecht wohnhaft - bis zu seinem Lebensende im Jahre 1639 die flämische Landschaftstradition im Stile #Pieter Bruegels weitergeführt hat. An diese Tradition erinnert die gezeigte Zeichnung Saftlevens - von der Überschauperspektive, dem weiten Flusstal über die steilen Felspartien und die hoch aufragenden Burg bis hin zu den Rückenfiguren der leicht vorgebeugten Wanderer im Vordergrund. Auf routinierte Weise setzt Saftleven seine technischen Fähigkeiten ein, um den  Eindruck einer wirklich existierenden Landschaft zu vermitteln. Einerseits werden die Details, die sich zum Hintergrund hin zunehmend zarter abzeichnen, mit großer Gewissenhaftigkeit beschrieben. Andererseits bietet sich die Illusion einer weiträumigen, weich beleuchteten Weltlandschaft dar, in der sich dort, wo sich die zarten Bergspitzen mit den Wolkenmassen begegnen, atmosphärische Qualitäten entfalten. Diese faszinierende Verbindung von Fantasie und Wirklichkeit kommt nicht zuletzt durch die durchgehend rhythmische Kreide- und Pinselführung zustande, bei der sich Saftleven - bei allen bewusst zum Einsatz gebrachten Archaismen - von zeitgenössischen Landschaftszeichnern wie #Esaias van de Velde oder #Jan van Goyen beeinflusst zeigt.  

Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 147, S. 312.

Bibliography
  • Schulz 1982, Nr. 1157, Abb. 180
  • A.K. Das Zeitalter Rembrandts, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Nr. 147 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Sammlung Gottfried Winckler (1731–1795), Leipzig
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited07.07.2021