Felsige Waldlandschaft mit Bachübergang
Herman Saftleven
1650
Herman Saftleven verbrachte seine Lehrzeit und seine frühen Schaffensjahre in Rotterdam; sein Vater #Herman und seine Brüder #Abraham und #Cornelis waren gleichfalls Maler. Cornelis tritt, wie Herman, durch ein umfangreiches zeichnerisches Œuvre hervor.
Von Herman kennt man nur wenige Zeichnungen aus der Zeit vor 1648. In seinen frühesten, 1627 datierten Landschaftsradierungen ist der Einfluss des 1624 verstorbenen #Willem Buytewech, dessen Kunst in Rotterdam stark nachwirkte, deutlich spürbar. Um 1630 setzte Saftleven sich in seinen Gemälden mit den tonalen Experimenten von #Jan van Goyen und #Pieter de Molyn auseinander. 1632 zog er nach Utrecht, wo er zu hohem gesellschaftlichem Ansehen gelangte. Unter dem überragenden Einfluss des gleichfalls Utrecht lebenden #Roelant Savery wandte er sich hauptsächlich der Gattung der imaginären Fluss- und Gebirgslandschaften zu.
Den Ausgangspunkt für die spätmanieristisch anmutende, verschachtelte Komposition einer felsigen Waldlandschaft bildete ein Stich von Willem II. van Nieulandt (1584-1635), für den Pieter Stevens (ca. 1640-1604 oder 1620) den Entwurf geliefert hatte (Hollstein Dutch & Flemish 14, S. 166, 76-III). Die 1650 datierte Zeichnung gehört zu jenen Landschaftsblättern von Herman Saftleven, in denen sich eine unmittelbare Inspiration durch Künstler aus dem um 1600 stilbildenden Prager Kreis um #Kaiser Rudolf II. nachweisen lässt. In der kalligrafischen Strichart und der homogenen Lichtwirkung wiederum kommt Saftleven seinem Zeitgenossen Pieter de Molyn nahe. Von beiden Künstlern ist eine große Anzahl sorgfältig ausgeführter, für den Handel produzierter Landschaftszeichnungen bekannt, unter denen Motivwiederholungen keine Seltenheit bilden (siehe Inv. 8691, 8692). Auch unsere Zeichnung war in Anbetracht der bildmäßigen Durchführung, der eigenhändigen Kreideumrandung sowie des Datums und des Monogramms zweifellos für den Verkauf bestimmt. Das höchst attraktive Blatt ist exemplarisch für die vitale Kreide- und Pinseltechnik des Künstlers, die zwischen 1648 und 1652 ihren Höhepunkt erreichte.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, S. 284f., Nr. 134.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29929/felsige-waldlandschaft-mit-bachubergangImage Request