Egon Schiele, Arthur Roessler, Inv. Nr.: 30561
Arthur Roessler
Egon Schiele, Arthur Roessler, Inv. Nr.: 30561
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Arthur Roessler

Egon Schiele

1910




Schiele lernte den Publizisten und Sammler Arthur Roessler im Jahr 1909 kennen. Die zwei Porträtstudien (Inv. 31247r und Inv. 30561) zeigen das Interesse des Künstlers an der präzisen Physiognomie. Wie beim Bildnis Eduard Kosmacks sind bei der Kopfstudie die Augen fein herausgearbeitet und geben dem Porträtierten einen eindringlichen Blick. Die dreiviertelfigurige Bleistiftzeichnung zeigt Schieles väterlichen Freund und Förderer als eine selbstbewusst in sich ruhende Persönlichkeit, die stolz die Arme in die Hüften stemmt: Ein Portätypus, der in der traditionellen Auffassung einen entschlossenen Tatmenschen charakterisiert.


Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1910
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide
Dimensions29,9 x 29,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number30561
Signedr.u. "SCHIELE / EGON / 08"
Text

Im Unterschied zur Radierung (DG1943/385) ist die Zeichnung von #Arthur Roessler nicht mit dem ausgeführten Gemälde (Wien Museum) in Verbindung zu bringen. #Arthur Roessler wird 1877 in Wien geboren. Er studiert Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland. 1898 übersiedelt er nach München und wird Redakteur sowie Korrespondent verschiedener deutscher und österreichischer Zeitungen. 1903 heiratet er #Ida Lange, sie bleiben bis zu seinem Tod zusammen.

1905 übersiedelt #Roessler nach Wien, um geschäftlicher Leiter der #Galerie Miethke zu werden. 1907 wird er als künstlerischer Beirat und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der #Galerie Gustav Pisko am Wiener Schwarzenbergplatz eingestellt. Anlässlich der Ausstellung der Neukunstgruppe in dieser Galerie lernt  #Roessler 1909 den erst 19-jährigen Schiele kennen und wird ein wichtiger Förderer seiner Kunst: Er vermittelt Kunstsammler und Auftraggeber, führt Verkaufsverhandlungen, publiziert über ihn und sammelt auch selbst seine Werke.

Als Kunstreferent der Wiener Arbeiter-Zeitung rezensiert er Ausstellungen, schreibt Kunstkritiken und Feuilletons. Er ist Schriftleiter von #Eduard Kosmacks Zeitschrift Das Interieur und Redakteur der Zeitschrift Bildende Künstler sowie, 1912, Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbundes. 1918 erscheint #Roesslers Publikation Kritische Fragmente über österreichische Neukünstler im Verlag Richard Lányi.

In den Jahren 1921 und 1922 publiziert #Arthur Roessler mehrere Schriften zu Egon Schiele: 1921 In Memoriam Egon Schiele, Briefe und Prosa von Egon Schiele, Das Egon Schiele Buch. 1922 Egon Schiele. Im Gefängnis sowie Erinnerungen an Egon Schiele. Regelmäßige Vorträge und Hörfunksendungen über Egon Schiele halten das Andenken an diesen Künstler immer wach.

Während des Zweiten Weltkrieges bleibt das Ehepaar Roessler in Wien, 1941 beschlagnahmt die Gestapo 450 Briefe #Rudolf von Alts aus seinem Besitz.

In einer finanziell bedrängten Situation nach dem Krieg erhält er 1955 eine „Ehrenpension“ des Wiener Gemeinderates und übergibt als Gegenleistung viele Kunstwerke und seine gesamte Bibliothek an die Stadt Wien. Noch im selben Jahr stirbt Arthur Roessler.

 

Die vorliegende Porträtstudie zeigt Schieles Interesse an der präzisen Physiognomie des für ihn so wichtigen Lobbyisten, Essayisten, Auftragsvermittlers und, in geringerem Maß, Mäzen. Die wunderbare Kopfstudie mit den fein herausgearbeiteten Augen und dem eindringlichen Blick ist der Radierung (Inv. DG1943/385), die sich an das Gemälde anlehnt, künstlerisch überlegen. Einzig in der Umrissführung mit den unruhigen konkaven Einbuchtungen ist die stilistische Verwandtschaft der Zeichnung zu der Radierung zu erkennen. Schiele interpretiert seinen väterlichen Freund in der Zeichnung als eine selbstbewusst in sich ruhende Persönlichkeit.

 

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 98-100.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 628
  • Bibliography
  • AK Albertina, 1948, Nr. 5
  • AK Linz 1949, Nr. 11
  • Mitsch 1961, S. 14 (1969, Abb. 2)
  • AK Wien 1964, Nr. 210
  • Freiberg 1967, gegenüber S. 129
  • Leopold 1972, S. 134
  • Comini 1974, Tafel 39
  • AK München 1975, Nr. 76
  • AK Albertina 1990, Nr. 31, Abb.
  • AK Mailand 2000, S. 58, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 37
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 31
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 46-47 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • 1948 erworben bei der Galerie Welz, Salzburg

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/3022/arthur-roesslerImage Request
    Last edited18.12.2024