Bildnis der Tänzerin Moa
Egon Schiele
1911
Die Bleistiftzeichnung charakterisiert Moa als eine verführerische Dame der demi-monde. Der riesige, mondäne Hut, die mit dem harten Bleistift betonte Partie der stark geschminkten Augen und die preziös-kokette Handstellung am Kinn: Dies alles ist Pose des Modells, dessen Regisseur der Künstler ist.
Rahmenaußenmaß 70,6 × 53,9 × 3,4 cm
Nicht nur #Dom Osen faszinierte Schiele, auch dessen Begleiterin #Moa hat auf den Künstler eine außerordentliche Anziehungskraft ausgeübt.
#Moa, die mit dem Familiennamen vermutlich Nahuimur oder Mandú hieß, war eine polynesische Tänzerin. Von 1911 bis 1914 war sie die Begleiterin von #Erwin Dominik Osen (1891 - 1970). Moa war ein frühes Modell Egon Schieles, das offensichtlich bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu Schiele Kontakt hatte (Nebehay 1980, S. 77) .
#Moa ist als Ausdruckstänzerin wie ihr Lebensgefährte als Modell für Schieles Inszenierungen des Körpers und des Blicks besonders geeignet. Ihre Selbstdarstellungen und Exzentrik widersprechen zutiefst dem Ideal der Natürlichkeit. #Moa posiert, sie stellt sich aus und rechnet von vornherein für ihre theatralische Körpersprache und Mimik mit einem Betrachter, der diese Schauspiel-Aufführung verfolgt.
#Arthur Roessler beschreibt #Moa als ".....eine gertenschlanke Tänzerin mit einem zu maskenhafter Ruhe erstarrenden beinweißen Gesicht unter blauschwarzem Scheitel ..... Die großen, jettdunklen, …, langbewimperten und überschweren Lidern schwermütig mattschimmernden Augen, und die wie mechanisch in den zarten Gelenken sich bewegende zierliche Gestalt des Mädchens, bezauberte den Künstler in Schiele völlig ......" (Roessler 1922, S. 42 ff.)
Die Bleistiftzeichnung der Albertina charakterisiert #Moa als eine verführerische Dame der Demimonde. Der riesige, mondäne Hut, die mit dem harten Bleistift betonte Partie der stark geschminkten Augen - ein typisches Stilmerkmal ab der Mitte des Jahres 1911 -, die preziös-kokette Handstellung am Kinn: dies alles ist Pose des Modells, dessen Regisseur der Künstler ist. Stets rechnen Schieles Modelle damit, betrachtet, angesehen zu werden. Das ist der Basso continuo des zeichnerischen Werks von Schiele. Die erotische Bildniszeichnung von #Moa zeigt neben dem charakteristischen weich fließenden Umriss und der für 1910 typischen Vorliebe für den harten Bleistift auch die Sitzgelegenheit der Ausdruckskünstlerin. Zumindest andeutungsweise erkennen wir Fauteuil und Lehne; ein nur 1911 vorkommenden Interesse Schieles an einer konkreten Verortung der Modelle.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 186.
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