Mittelmeerlandschaft
Pablo Picasso
1952
Die Darstellung zeigt die Villa La Galloise in Vallauris in Südfrankreich, die Picasso 1948 mit seiner Lebensgefährtin Françoise Gilot bezogen hat. 1949 wird hier ihre Tochter Paloma geboren. Obwohl das Bild auf den ersten Blick idyllisch anmutet, spiegeln die gedrängte Komposition und das kantige, betont aggressiv wirkende Liniengefüge die unerträglichen Spannungen zwischen Picasso und Françoise Gilot wider, die schließlich 1953 zur Trennung führen. Die Reduktion der Raumtiefe, die verschachtelte Architektur und der ummauerte Garten suggerieren Enge und Beklemmung, Meer und Segelboot dagegen die Sehnsucht nach Aufbruch und Neubeginn.
This picture shows the villa La Galloise in Vallauris in Southern France, into which Picasso moved in 1948 with his partner, Françoise Gilot. Paloma, their daughter, was born there in 1949. Although the painting seems idyllic at first sight, the congested composition and the angular, vigorously aggressive linear fabric reflect the unbearable tensions between Picasso and Françoise Gilot, which eventually led to their separation in 1953. The reduction of spatial depth, the interlaced architecture, and the walled garden suggest narrowness and oppression, whereas the sea and the sailing boat express the artist’s wish for change and a new start in life.
Rahmenaußenmaß: 103,5 × 147 × 9 cm
Obwohl die vorliegende Mittelmeerlandschaft auf den ersten Blick sehr idyllisch anmuten mag, berichtet das Bild anschaulich von den starken Spannungen, die damals zwischen Picasso und seiner Lebensgefährtin Françoise Gilot herrschten. 1947 hatte er sich mit seiner Geliebten in Südfrankreich niedergelassen (Inv. GE100DL) und im Jahr darauf bei Vallauris ein großes Landhaus, die Villa La Galloise, gekauft. Nachdem Françoise Gilot dort ihre Tochter Paloma zur Welt gebracht hatte, wurden die Spannungen so unerträglich, dass sich die beiden 1953 trennten. Die Villa La Galloise ist auf dem vorliegenden, 1952 gemalten Bild so dominierend in die Bildfläche gesetzt, dass sie fast die gesamte Leinwand einnimmt. Auffällig auch, wie verschachtelt ihre Architektur anmutet und wie wenig Raum ihrer Umgebung - dem ummauerten Garten links und dem Ausblick aufs Meer im Hintergrund - zugestanden wird. Alles in diesem Bild wirkt beengt und bedrängt. Fast glaubt man, den Wunsch des Künstlers spüren zu können, aus dieser Welt auszubrechen und fern von ihr ein neues Leben zu beginnen. Insofern darf das Segelboot im Hintergrund rechts vielleicht auch als Metapher des Aufbruchs verstanden werden.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 318, Nr. 172.
