Im Garten: Friede
Augusto Giacometti
1915
Rahmenaußenmaß: 99 × 132,5 × 6 cm
Gemalt im Kriegsjahr 1915, stellt dieses Bild den Versuch dar, mit den Mitteln der Malerei ein Sinnbild des Friedens zu schaffen. Als Antwort auf das grausame Schlachtengetümmel dachte sich Augusto Giacometti eine Figurenkomposition aus, die man sich idyllischer nicht vorstellen kann. Drei Kinder – es sind wohl alles Mädchen – sitzen in einer stark stilisierten Landschaft und blicken still auf eine Frau mit zitronengelbem Haar, die ihnen vorzulesen scheint. Dass das blau-rot gekleidete Mädchen rechts eine schwarze Taube in einer Hand hält, unterstreicht den allegorischen Sinngehalt der Szene noch.
Ausgeführt ist das großformatige Bild in einem sehr kühnen, flächig-dekorativen Malstil, den Augusto Giacometti um 1910 zu entwickeln begonnen hatte und der ihm später den Ruf einbrachte, einer der ersten abstrakten Künstler der Geschichte gewesen zu sein. Über einer hellgrauen Grundierung sind mit dem Palettmesser und dickflüssiger Ölfarbe Farbflecke aufgetragen, die sich wie Mosaiksteine zu großen flächigen Gegenstandsformen zusammenfügen. Weil diese Gegenstandsformen so stark stilisiert sind, dass ihre Bedeutung oft kaum mehr erkennbar ist, hat der Künstler gewisse Konturen mit spitzem Pinsel und schwarzer Farbe nachgezeichnet. Die Umgebung der Figuren beließ er dagegen als hellgraue Folie, bereicherte sie jedoch mit unregelmäßig verteilten, dunkler getönten Flecken, sodass sie fast ebenso lebendig bewegt wirkt wie die Figuren.
Vorbereitet hat der Künstler die Komposition mit einer winzig kleinen Pastellstudie, auf der vier im Freien sitzende Kinder zu erkennen sind. Eng verwandt ist dem Bild eine noch grössere Figurenkomposition aus demselben Jahr, die auf nicht weniger kühn abstrahierende Art die Muttergottes mit dem Jesuskind darstellt, wobei letzteres merkwürdigerweise ein Spielzeugpferd in den Händen hält.[1]
[1] Beide Werke sind abgebildet in: Hans Hartmann, Augusto Giacometti, Pionier der abstrakten Malerei. Ein Leben für die Farbe, hg. vom Bündner Kunstmuseum Chur, Chur 1981, S. 124 (Nr. 831) und S. 125 (Nr. 865).
R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf
Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen
2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz
2012), Vaduz 2012, S. 24, Kat. 28.
