Jan van Huysum, Blumenstillleben - Vase mit Puttenrelief, auf einer Steinplatte stehend, Inv. N…
Blumenstillleben - Vase mit Puttenrelief, auf einer Steinplatte stehend
Jan van Huysum, Blumenstillleben - Vase mit Puttenrelief, auf einer Steinplatte stehend, Inv. Nr.: 10551
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Blumenstillleben - Vase mit Puttenrelief, auf einer Steinplatte stehend

Jan van Huysum

um 1720




Künstler:in (Amsterdam 1682 - 1749 Amsterdam)
Dateum 1720
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Pinsel in Grau, Feder in Braun, mit Rötel gerastert
Dimensions36,5 x 27,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number10551
Signedr.u. "J. v. Huysum fec." (Feder in Braun)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Jan van Huysum wurde, ebenso wie seine Brüder #Justus II. (der Jüngere) und #Jacob, in der Werkstatt seines Vaters #Justus van Huysum I. (des Älteren) ausgebildet, der ein sehr gefragter Maler von Blumengemälden und Interieurdekorationen war. Bald nach 1716, dem Todesjahr seines Vaters, profilierte sich Jan van Huysum zum berühmtesten Maler von Blumen- und Obststillleben; seine Werke waren sehr begehrt und wurden hoch bezahlt. Trotz einer Reihe von Auftraggebern und Käufern aus dem Amsterdamer Patriziat und dem europäischen Hochadel wird van Huysum in zeitgenössischen Quellen als eine schwer zugängliche Persönlichkeit beschrieben; er lebte sehr zurückgezogen und empfing aus Furcht vor Plagiarismus keine Besucher in seinem Atelier. Für kurze Zeit war er der Lehrmeister von #Margaretha Haverman.
Van Huysum führte die Tradition des Blumen- und Obststilllebens, die im frühen 17. Jahrhundert in den Gemälden von #Roelant Savery und #Jan Brueghel ihren Ausgang genommen hatte, zu einem unbestrittenen Höhepunkt. In seinen scheinbar willkürlich zusammengefügten, in Wirklichkeit aber sehr sorgfältig komponierten Ensembles von verschiedenartigen, oft seltenen Blumen und Obstsorten vereinigen sich erstaunliche Lebensnähe und eine große malerische Brillanz. Die Blumen wurden unmittelbar "nach dem Leben" gemalt, und oft hing die Vollendung eines Gemäldes von der Blütezeit bestimmter darzustellender Blumen ab. Während sich seine Stillleben am Anfang noch vor einer barocken, dunklen Kulisse präsentieren, öffnen sie sich ab etwa 1720 zu einem von Architektur- oder Parkelementen bestimmte Hintergrund, zugunsten einer hellen Beleuchtung.
Im heute bekannten Œuvre von Jan van Huysum sind die Arbeiten auf Papier weniger umfangreich vertreten als die Ölgemälde. In ihren Grundmotiven stimmen die gezeichneten Stillleben - ausgeführt in schwarzer Kreide oder mit der Feder, oft in Verbindung mit grauen Lavierungen oder Aquarellfarben - mit den Gemälden überein. In ihrer Lebendigkeit und in der lockeren Strichführung unterscheiden sie sich jedoch wesentlich von der akribisch-detaillierten Ausführung der Gemälde. Obwohl viele dieser Blätter vermutlich als Kompositionsstudien entstanden sind, weisen sie mit den heute bekannten Gemälden nur selten einen unmittelbaren Zusammenhang auf.
Zu den Ausnahmen in dieser Hinsicht gehört die hier gezeigte, in schwarzer Kreide und grauen Lavierungen ausgeführte Zeichnung. Die rote Rasterung weist auf ihre Funktion als Vorlage für ein Gemälde hin. Tatsächlich zeigt diese Arbeit im Arrangement der Blumen, im Relief der Terrakottavase, in der Position des Vogelnests sowie in der Hintergrund- und Tischgestaltung eine offenkundige Übereinstimmung mit einem in unbekanntem Besitz befindlichen Gemälde (R.M.C. Aked e. a., London, 7.7.1978, Nr. 199). Dieses enthält allerdings mehr Details, und in der Wiedergabe einzelner Blumen sind leichte Abweichungen feststellbar, etwa im Hinblick auf das Blütenstadium. In der Zeichnung wirkt die Zusammenstellung der durch unterschiedliche Blütenzeiten gekennzeichneten Blumen locker und natürlich; im Gemälde ist das Bemühen um ein äußerst kunstvolles Arrangement deutlich spürbar. Dies wird im raffinierten Zusammenspiel der Formen und Farben, dem sorgfältig ausgewogenen Helldunkel ebenso wie in den Windungen der Stängel anschaulich. Das nicht datierte Gemälde zeigt einen dunklen Hintergrund; die Blumen werden ausschließlich von vorne beleuchtet. Zudem zeigt das Blumenarrangement noch nicht jene Komplexität, die als charakteristisch für die späteren Stillleben gilt. Eine Datierung um oder vor 1720 - die auch auf unsere Zeichnung zutreffen würde - erscheint daher plausibel.

Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 184, S.390-394.

Bibliography
  • White 1964, Nr. 128, Abb.
  • A.K. Rembrandt and his time. Masterworks from the Albertina (Vienna), Milwaukee 2005, Nr. 110
  • A.K. Das Zeitalter Rembrandts, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Nr. 184 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/31392/blumenstillleben--vase-mit-puttenrelief-auf-einer-steinplaImage Request
    Last edited08.07.2021