Blumenstillleben
Jan van Huysum
um 1730-1735
Jan van Huijsum wurde in der Werkstatt seines Vaters Justus ausgebildet, der ein sehr gefragter Maler von Blumengemälden und Interieurdekorationen war. Bald nach dem Tod des Vaters (1716) profilierte sich Jan in den Niederlanden als berühmtester Maler von Blumen- und Obststillleben–seine Werke waren sehr begehrt und wurden entsprechend hoch bezahlt. Trotz einer Reihe von Auftraggebern und Käufern aus dem Amsterdamer Patriziat und dem europäischen Hochadel wird Van Huijsum in zeitgenössischen Quellen als eine schwer zugängliche Persönlichkeit beschrieben. Er lebte sehr zurückgezogen und empfing aus Angst vor Plagiaten keine Besucher in seinem Atelier.
Van Huijsum führte die Tradition des Blumen- und Obststilllebens zu einem unbestrittenen Höhepunkt. In seinen sehr sorgfältig komponierten Ensembles verschiedenartiger, oft seltener Blumen und Obstsorten vereinigen sich erstaunliche Lebensnähe und eine große malerische Brillanz. Dank einer ausgeklügelten, differenzierten Lichtregie vollzieht sich innerhalb der Blüten und Blätter ein subtiles Spiel von Licht und Schatten. Die Blumen wurden nach der Natur gemalt, und nicht selten hing die Vollendung eines Gemäldes von der Blütezeit bestimmter darzustellender Gewächse ab. Seine gezeichneten Stillleben – ausgeführt in schwarzer Kreide oder mit der Feder, oft in Verbindung mit grauen Lavierungen oder Aquarellfarben – unterscheiden sich in ihrer Lebendigkeit und in der lockeren Strichführung wesentlich von der akribisch-detaillierten Ausführung der gemalten Werke. Obwohl viele dieser Blätter vermutlich als Kompositionsstudien entstanden sind, weisen sie zu den heute bekannten Gemälden nur selten einen unmittelbaren Konnex auf.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 156, S. 320.
