Hellebardier
Lucas van Valckenborch der Ältere
1578/79
Lucas van Valckenborch wurde vermutlich in Mechelen ausgebildet, wo er 1560 nachweislich Mitglied der Lukasgilde war. 1566 zog er aus Glaubensgründen nach Aachen, kurz darauf nach Lüttich. Vor 1575 war er in Antwerpen und dort ab 1579 für den Statthalter Erzherzog Matthias von Österreich als Hofmaler tätig. Nach dem Rücktritt des Erzherzogs folgte Lucas van Valckenborch diesem 1581 als Kammermaler nach Linz. 1592/93 siedelte er nach Frankfurt am Main über, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. Van Valckenborch ist vor allem als Maler und Zeichner von Landschaften bekannt, die insbesondere vom Stil des Pieter Bruegel d. Ä. geprägt sind; er schuf aber auch Genreszenen, Stillleben und Architekturdarstellungen.
Die insgesamt acht detailliert ausgeführten Blätter mit höfischen Trachten (Inv. 13575 - Inv. 13582)entstanden vor folgendem Hintergrund: Nach dem Tod Kaiser Maximilians II. im Jahre 1576 gelang es einem von dessen fünf Söhnen, dem Erzherzog Matthias – ohne das Wissen seines Bruders Rudolf und gegen den Willen seines Onkels, König Philipps II. von Spanien –, Statthalter der damals spanischen Niederlande zu werden. 1581 jedoch war das ehrgeizige Unternehmen bereits zum Scheitern verurteilt, sodass Matthias gezwungen war, seinen luxuriösen Brüsseler Hofstaat aufzulösen und die Niederlande zu verlassen. Die kurze Episode seiner Statthalterschaft war von einer reichen künstlerischen Tätigkeit geprägt, da der Erzherzog auf die aufwendige Ausgestaltung festlicher Anlässe großen Wert legte. So schuf sein Hofmaler eine Anzahl von Kostümentwürfen, die entweder für die Feierlichkeiten des Jahres 1578 oder im Hinblick auf die Bildung des Hofstaates im darauffolgenden Jahr beauftragt worden waren. Bezeichnend für die auffallend bunten, minutiös gemalten Arbeiten ist die eklektische Zusammenstellung zeitgenössischer oder historischer Modeelemente aus verschiedenen Ländern. Zu diesem Zweck zog der Künstler vermutlich die damals weit verbreiteten Modellbücher heran. Die Hauptmänner (Hartschier) der erzherzoglichen Leibgarde (Trabanten) führen Hellebarden oder die einer Messerklinge ähnelnde Kuse mit sich, besitzen reich geschmückte Schwerter und tragen üppig bestickte Gewänder mit gepufften und geschlitzten Ärmeln, wie sie seit dem späten 15. Jahrhundert en vogue waren und die Beweglichkeit der Kämpfer begünstigten. Die flatterig ausladenden Beinkleider verweisen auf die kurz nach 1550 aufgekommene Hosenmode der deutschen Landsknechte. Ein weiteres Beispiel für diesen fantasiebetonten Eklektizismus ist das Bildnis Erzherzog Matthias als Oberbefehlshaber in einem deutschen Harnisch (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv. GG 4390), das Lucas van Valckenborch 1579 gemalt hat – etwa zur gleichen Zeit wie seine bemerkenswerten Kostümentwürfe.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, S. 156.
