Im Garten Eden
David Vinckboons
um 1615-1620
Innerhalb der Gattung der idealisierten Walddarstellungen, die von den flämischen Künstlern in den Norden importiert wurden, nimmt die Paradieslandschaft zwischen 1600 und etwa 1630 eine eigene Stellung ein. Biblische oder mythologische Themen wie der Sündenfall, Orpheus und die Tiere oder die Arche Noah waren in diesem Zusammenhang sehr beliebt, weil sie die Möglichkeit boten, viele Tierarten gleichzeitig darstellen zu können. Der Begründer der tierreichen Landschaft in den Nördlichen Niederlanden war Jacob Savery, der 1585 mit seiner Familie aus Antwerpen dorthin ausgewandert war. Die Beliebtheit der Paradieslandschaft ist gleichzeitig unter dem Aspekt der Idealvorstellung des »Goldenen Zeitalters« zu sehen.
Von David Vinckboons sind nicht viele Paradieslandschaften bekannt. Die vorliegende Zeichnung, die ein für den Künstler ungewöhnlich großes Format aufweist, entstand als Vorlage für einen undatierten Stich von Boëtius Adamsz. Bolswert. Zweifellos wurde Vinckboons von den vielen tierreichen Landschaften inspiriert, die Roelant Savery ab 1615 nach seiner endgültigen Rückkehr aus Prag in die Niederlande produzierte. Gleichzeitig erinnern Motive wie das neben dem Baum der Erkenntnis stehende Pferd oder die breit angelegte Aufteilung in abwechselnd helle und dunkle Raumschichten an die 1601 datierten Vorbilder von Jacob Savery. Vinckboons jedoch gestaltete die Tiefenstufen nicht als scharf umrissene Kulissen, sondern in weichen Übergängen. Diese atmosphärischen Qualitäten scheinen, ebenso wie die Dichte der zeichnerischen Substanz, auf eine Entstehungszeit zwischen etwa 1615 und 1618 oder auch später hinzuweisen. Die zahlreichen Details fügen sich zu einem stimmungsvollen, tonigen Gesamteindruck, der trotz der Entstehung des Werkes in den Nördlichen Niederlanden flämisch geprägt ist.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 49, S. 112.
