Schloss Duurstede
Roelant Roghman
1646/47
Roeland Roghman war der Sohn des Kupferstechers #Hendrick Lambertsz. Roghman; sein Großvater mütterlicherseits war #Jacob Savery. Der Großteil seines Œuvres besteht aus Zeichnungen von Landschaften und topografischen Ansichten. Zudem sind von ihm fünfzig Radierungen und einige Gemälde bekannt. Die Arbeiten seines früh verstorbenen Großvaters Jacob und seines Großonkels #Roelant Savery, der seinen Bruder um Jahrzehnte überlebte, haben Roghmans künstlerische Tätigkeit zweifellos geprägt. Er war mit dem Rembrandt-Schüler #Gerbrand van den Eeckhout (Inv. 9559) befreundet; dass er #Rembrandt gekannt hat, wird nicht ausgeschlossen. In den 1650er-Jahren reiste Roghman nach Frankreich, Deutschland und vielleicht nach Italien.
Innerhalb des Gesamtwerks seiner Zeichnungen, die im Allgemeinen schwer datierbar sind, steht die umfangreiche Gruppe der großformatigen Darstellungen von Schlössern, die er 1646/47 als etwa Zwanzigjähriger an mehreren Orten in Utrecht und Holland anfertigte, ganz für sich. Von den ursprünglich 250 Zeichnungen sind heute 222 Blätter erhalten, die weltweit über mehrere Sammlungen verstreut sind. Die größten Konzentrationen dieser Blätter befinden sich im Amsterdamer Rijksmuseum, in einer niederländischen Privatsammlung sowie im Teylers Museum in Haarlem; die Albertina besitzt zwei Arbeiten aus dieser Serie (Inv. 15130, 15131).
Über Entstehungsgeschichte und Funktion dieser außergewöhnlichen Zeichnungen ist nichts bekannt; in Bezug auf einen eventuellen adeligen Auftrag gibt es mehrere Hypothesen. Das älteste, bis heutige gültige Inventar der Blätter ist die sogenannte "Liste Bentes" von 1708. Innerhalb der gesamten Serie nimmt "Schloss Swieten" (Inv. 15130) sowohl aufgrund der Anwendung der Feder als auch wegen der Wiedergabe des zeichnenden Künstlers, zu dem sich zwei Hunde gesellen, eine Sonderstellung ein; dieses Motiv könnte auf die Funktion als Titelblatt hinweisen.
Oft hielt Roghman ein und dasselbe Objekt von mehreren Seiten fest, so auch im Fall des hier wiedergegebenen "Schloss Duurstede", von dem er drei verschiedene Ansichten zeichnete. Die Zeichnung charakterisiert das Verfahren des jungen Künstlers. Dieser setzte sich am Rande eines Schlossgrabens in einem schrägen Winkel zum Architekturkomplex hin, um einen möglichst vielfältigen Überblick zu erhalten. Mit einem scharfen Blick für die Essenz des Bauvolumens konzentrierte er sich auf die einfachen, kubischen Formen. Über einer in schwarzer Kreide angelegten Basiszeichnung brachte er mit dem Pinsel verschiedene Graunuancen an, worauf er die Darstellung mit schwarzer Kreide und mit braunen Federlinien verfeinerte. Der sachliche Informationsgehalt dieser Schlosszeichnungen ist von der, damals aktuellen, heroisierenden Ruinenmetaphorik weit entfernt. Dennoch erzielte Roghman mit sparsamen Mitteln ein Höchstmaß an Atmosphäre; der ganze Landschaftsraum - von dem großflächig angelegten Wolkenhimmel bis zu den Lichtnuancen der Mauerflächen und den subtilen Wasserspiegelungen - wird von einem diffusen Licht erfasst.
Diese sachlich-beschreibenden und gleichzeitig atmosphärisch wirkenden Schlosszeichnungen sind im niederländischen 17. Jahrhundert als einmalige Leistung zu bezeichnen, die umso mehr beeindruckt, als es sich hier um Jugendwerke handelt. Erst im 18. Jahrhundert sollte dieses Genre eine weitere Verbreitung finden; die klare Monumentalität der Blätter von Roeland Roghman blieb jedoch unerreicht.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 136, S. 288-290.
