Die Gefangennahme Christi
Anthonis van Dyck
um 1621
Rahmenaußenmaß 47,8 × 48,5 × 4,6 cm
Anton van Dyck, Sohn eines reichen Seidenkaufmanns, war 1609/10 in der Lehre beim Antwerpener Maler #Hendrik van Balen. 1615 hatte er bereits sein eigenes Atelier, 1618 war er Freimeister der St. Lukasgilde. In seiner ersten Antwerpener Zeit (bis 1621), in der er auch als Mitarbeiter von #Rubens tätig war, entstanden zahlreiche religiöse Gemälde. Nach einem kurzen Aufenthalt in England (1620/21) lebte er bis 1627 in Italien. In Antwerpen war er von 1627 bis 1630 als Hofmaler der Statthalterin #Erzherzogin Isabella tätig. Während seines Aufenthalts in England von 1632 bis 1634 wurde er von #Charles I. zum Ritter geschlagen. 1634 ernannte man ihn in Antwerpen zum Ehrendekan der St. Lukasgilde. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris (1640/41) starb er 1641 in London. Neben Rubens zählt van Dyck zu den bedeutendsten und prägendsten Malern des flämischen Barock, insbesondere durch seinen ausgesprochen aristokratischen Porträtstil.
Das hier gezeigte Blatt gehört zu einer Gruppe von Zeichnungen, die das Gemälde "Die Gefangennahme Christi" (Prado, Madrid, https://www.museodelprado.es/en/the-collection/art-work/the-taking-of-christ/76c56a57-b68d-4148-b3d2-f69d745f6180§) vorbereiten. Dieses Bild wird - ebenso wie die zwei kleineren, eigenhändigen Fassungen (Sammlung Lord Methuen, Corsham Court und The Minneapolis Institute of Arts) - gegen Ende der ersten Antwerpener Periode (1621) datiert.
Anhand der erhaltenen Zeichnungen lässt sich der Entstehungsprozess des Gemäldes schrittweise verfolgen: Aus einer horizontalen Komposition mit einer von rechts nach links ziehenden Gruppe von Figuren, die Christus nach dem Verrat wegführen, entwickelte sich allmählich ein vertikaler, mehr in die Tiefe führender Bildaufbau, in dem die Gruppe von Christus und Judas im Augenblick des Verrats in ständig wechselnden Arrangements hervorgehoben wird. Durch die zentrale Position der Christusgestalt steht die Albertina-Zeichnung dem Gemälde in Corsham Court (http://www.corsham-court.co.uk/Pictures/Betrayal.html§) am nächsten.
Charakteristisch für van Dyck ist der dynamische Arbeitsvorgang, bei dem jede Studie einen neuen Ansatz zur endgültigen Lösung bildet. Im Albertina-Blatt kommen van Dycks zeichnerische Qualitäten ganz besonders zur Geltung. Die detailliert behandelten Gesichter von Christus und Petrus bilden zu dem skizzenhaft mit dem Pinsel aufgetragenen Baum, den mit der Feder rasch und sicher angedeuteten Figuren und den flackernden Schatten des nächtlichen Himmels einen prägnanten Kontrast. Für die Dramatik der Szene sind die ausgeprägten Helldunkel-Wirkungen bestimmend. Aus den lang gedehnten Figuren geht hervor, dass sich van Dyck schon vor seiner ersten italienischen Reise für Ausdrucksformen des Manierismus interessiert hat. Zweifellos stellt diese Zeichnung nicht nur innerhalb der Gruppe, sondern überhaupt im zeichnerischen Frühwerk van Dycks einen schöpferischen Höhepunkt dar.
Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 72.
Anton van Dyck war 1609/10 bei dem Antwerpener Maler Hendrik van Balen in der Lehre und hatte 1615 bereits ein eigenes Atelier. Bis 1621 war er in der Werkstatt von Peter Paul Rubens tätig und schuf zahlreiche religiöse Gemälde. Nach einem kurzen Aufenthalt in England (1620/21) lebte Van Dyck bis 1627 in Italien. Zurück in Antwerpen war er als Hofmaler der Statthalterin Erzherzogin Isabella tätig. Während eines zweiten Aufenthalts in England (1632–1634) wurde er von Karl I. zum Ritter geschlagen. Er starb 1641 in London, nachdem er längere Zeit in Paris gelebt hatte. Neben Rubens zählt Van Dyck zu den bedeutendsten Malern des flämischen Barock, insbesondere aufgrund seiner ausgesprochen aristokratischen Porträts.
Das hier gezeigte Blatt gehört zu einer Gruppe von Zeichnungen, die das Gemälde Die Gefangennahme Christi (Madrid, Museo Nacional del Prado, Número de catálogo P001477, https://www.museodelprado.es/en/the-collection/art-work/the-taking-of-christ/76c56a57-b68d-4148-b3d2-f69d745f6180§) vorbereiten. Dieses Bild wird gegen Ende der ersten Antwerpener Periode (1621) datiert. Anhand der erhaltenen Skizzen lässt sich der dynamische Entstehungsprozess des Gemäldes schrittweise verfolgen. Jede Studie bildet einen neuen Ansatz zur endgültigen, in Posen und Gestik der Figuren um einiges erregteren Lösung.
Im Albertina-Blatt kommen Van Dycks zeichnerische Qualitäten ganz besonders zur Geltung. Die detailliert behandelten Gesichter von Christus und Petrus bilden zu dem skizzenhaft mit dem Pinsel aufgetragenen Baum, den mit der Feder rasch und sicher angedeuteten Figuren und den flackernden Schatten des nächtlichen Himmels einen prägnanten Kontrast. Für die Dramatik der Szene sind die Helldunkelwirkungen bestimmend. Im Frühwerk Van Dycks stellt diese Zeichnung einen ersten schöpferischen Höhepunkt dar.
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