Teller mit Gesicht und grünen Punkten
Pablo Picasso
1947
Schon in seinen frühen Pariser Jahren hat Picasso den Werkstoff Keramik für sich entdeckt. Aber erst im Sommer 1947, kurz nach seiner Niederlassung in Südfrankreich, wurde die Keramik für ihn zu einer wahren Passion. Allein bis 1949 schuf er über 2000 Platten, Teller und Gefäße, die er auf unterschiedlichste Art bearbeitete.
Begonnen hatte dies alles, als der Künstler eines Tages in Vallauris, im Hinterland von Cannes, die Töpferwerkstatt Madoura entdeckte, die aus der für diese Gegend typischen weißen Tonerde Keramik für den Hausgebrauch herstellte. Geführt wurde sie von Suzanne und Georges Ramié, die sich spontan anerboten, den Künstler mit den Geheimnissen der Töpferkunst vertraut zu machen, insbesondere mit den Glasuren und den Engoben, mit denen sich ungebrannter Ton bemalen lässt. Fasziniert von den vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten stürzte sich Picasso mit der gleichen Leidenschaft auf diesen neuen Werkstoff, wie er sich Jahre zuvor auf die Druckgraphik gestürzt hatte, und schließlich nahm ihn diese Beschäftigung so sehr in Anspruch, dass er seinen Wohnsitz in Golfe-Juan aufgab und ins kleine Dorf Vallauris zog.
Diese Keramik sowie drei weitere aus der Sammlung Batliner (Inv. SK79DL, Inv. SK90DL, Inv. SK91DL) stammen vom Anfang dieser Entwicklung, und wie so oft in dieser Schaffenszeit weisen sie alle die gleiche Form auf. Es handelt sich immer um ungefähr 38 cm breite ovale Platten, die ohne Zweifel nicht Picasso, sondern der Töpfer Ramié geformt hat. Von Picasso stammt nur ihre Bemalung. Ist auf der Platte rechts wie so oft ein stark stilisiertes Gesicht auf dunklem Grund dargestellt[1], so zeigen die beiden Platten auf der folgenden Seite eine mythologische Szene und ein Stillleben, diesmal auf hellem, also unbemaltem Grund. Ganz anders die vierte, honiggelb eingefärbte Platte mit einem stilisierten Stier. Die Zeichnung wurde hier noch vor der Bemalung in die weiche Tonerde geritzt, und auf dem Plattenrand sitzen als plastische Dekoration kleine Tonklumpen.[2] Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Picasso diese Keramiken keineswegs als Gebrauchsgegenstände betrachtete, sondern als eigenständige Kunstwerke.
[1] Nach dieser Platte gibt es ein Auflageobjekt in 500 Exemplaren, das aber eine etwas andere farbige Gestaltung aufweist. Siehe Alain Ramié, Picasso. Catalogue de l’oeuvre céramique édité, 1947-1971, Vallauris 1988, Nr. 2.
[2] Auch von dieser Keramik stellte der Töpfer Georges Ramié ein Auflageobjekt her, diesmal in 200 Exemplaren. Siehe Ramié 1988 (wie Anm. 1), Nr. 32.
R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 54, Kat. 70.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/324752/teller-mit-gesicht-und-grunen-punktenImage Request