Michelangelo Buonarroti, Männlicher Rückenakt (Studie zu dem eine Lanze tragenden Soldaten des …
Männlicher Rückenakt (Studie zu dem eine Lanze tragenden Soldaten des geplanten Wandgemäldes "Schlacht von Cascina")
Michelangelo Buonarroti, Männlicher Rückenakt (Studie zu dem eine Lanze tragenden Soldaten des geplanten Wandgemäldes "Schlacht von Cascina"), Inv. Nr.: 123v
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Männlicher Rückenakt (Studie zu dem eine Lanze tragenden Soldaten des geplanten Wandgemäldes "Schlacht von Cascina")

Michelangelo Buonarroti

um 1504




Künstler:in (Caprese 1475 - 1564 Rom)
Dateum 1504
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, weiß gehöht Black chalk, heightened with white
Dimensions19,6 × 27 cm
Rahmenaußenmaß 50,9 × 44,1 × 4,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number123v
Inscribedl.u. "impossible de trouve plus beau" (in Feder); r.o. "Collezione di P. P. Rubens" (in heute unleserlichem, abgeriebenem schwarzem Stift)
MarkingsPierre-Jean Mariette (Lugt 2097)
Text

Der Rückenakt auf der Versoseite, dessen untere Hälfte unglücklicherweise beschnitten ist, diente als Studie zu dem eine Lanze tragenden Soldaten in der Mitte der hinteren Reihe der "Badenden". Michelangelo hatte das Gesicht anfänglich auf der rechten Seite etwas weiter vorgezogen und hat es dann aber mit einer korrigierenden schwarzen Kreidelinie stärker verkürzt und den Kopf weiter gesenkt. Der Kopf und der Arm, der ja in der Darstellung von einer benachbarten Figur verdeckt ist, sind flüchtiger ausgeführt als der Oberkörper. Der Künstler behandelte häufig in seinen Zeichnungen einzelne Gliedmaßen summarischer, wenn er sich auf andere Partien konzentrierte. Die Haltung stimmt nahezu mit der Gestalt auf dem Karton überein, deren Rücken sich allerdings stärker zur Seite biegt. Diese Abweichungen sowie die frische, pentimentreiche Ausführung lassen eine Kopie ausschließen, zumal die kraftvolle Modellierung in weichen, und zugleich lebendigen Tonabstufungen zweifelsfrei die Handschrift Michelangelos verrät. Sie findet sich ebenso in anderen Studien für die "Badenden" im Louvre und im Teylers Museum oder in den wenige Jahre später geschaffenen Entwürfen für Figuren an der Decke der Sixtinischen Kapelle (Tolnay, Corpus, Bd. 1, Nrn. 119r, 132, 139r). Verschiedene Forscher wollten eine Überarbeitung von späterer Hand erkennen, wofür es aber keine Anzeichen gibt, wie schon F. Wickhoff feststellte. Der anfänglich nur zart angelegte Umriss ist mit einer kräftigeren, zusammenfassenden Linie nachgefahren, die aber im Aufdruck variiert und dadurch die Lage der verschiedenen Körperpartien verdeutlicht. Ebenso wenig sind die Weißhöhungen, die auch bei den Studien für die Soldaten in Haarlem und London anzutreffen sind, eine spätere Zutat. Sie sind gezielt neben verschattete Partien gesetzt, um einzelne Muskeln stärker hervortreten zu lassen, oder sitzen an markanten Stellen wie dem Handgelenk, dessen Beweglichkeit sie akzentuieren. Erst durch diese Helldunkelkontraste entwickelt der Rücken sein volles Relief. Er wird durch kraftvoll pulsierende Muskelbewegungen belebt, wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Partien aufgrund der malerischen Technik weicher und fließender sind als in den Federzeichnungen. Diese dicht aneinandergesetzten Muskelerhebungen erzeugen einen nahezu eigenständigen Rhythmus, der in dem markanten geschwungenen Umriss weiterklingt und zugleich von diesem gebändigt wird. Es ist eine der schönsten Schwarzkreide-Aktstudien des Künstlers, die darüber hinaus einen Eindruck vom Aussehen des Kartons verleiht, in dem einzelne Gruppen "mit Kohle umrissen und mit Strichen schattiert, die anderen gewischt und mit Weiß aufgehöht" waren (Vasari/Kanz, S. 129).

vgl. Achim Gnann, in: Albertina, Wien (Hg.), Michelangelo. Zeichnungen eines Genies (Kat. Ausst. Albertina, Wien 2010/2011), Ostfildern 2010, Nr. 22.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 157
  • Stix 1932, 130
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • Braun 37 - Basan 1775, Nr. 236
  • Bartsch 1794, p. 36, Nr. 8
  • M. Thausing, Michelangelo's Entwurf zu dem Carton der Schlacht von Cascina, in: Zeitschrift für bildende Kunst XIII, 1878, p. 134, 138 C), Abb. p. 141, 137
  • Tolnay I, p. 189, Nr. 29, 30, Fig. 122, 120
  • AK London 1948, Nr. 17
  • Wilde 1953, p. 16, Kommentar zu Nr. 6
  • Dussler 1959, Nr. 361, Fig. 24/21
  • Berenson 1961, Nr. 1604, Fig. 549
  • Barocchi 1964, Kommentar zu Nr. 6
  • AK Wien 1969, Nr. 252
  • Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 25
  • Hartt 1971, Nr. 37, 44
  • A.K Paris 1975, Nr. III(18)
  • Northern Kentucky University, Studies in Iconographie 3, 1977, p. 140
  • Ames-Lewis 1981, p. 173, Abb. 178
  • Birke 1991, p. 54, Abb. 56
  • Barta Fliedl/Geissmar 1992, p. 74, Abb. 28
  • AK Montreal 1992, Nr. 81, Titelabb.
  • Birke 1991, S. 56, Abb. 56
  • Joannides 2003, S. 65, 68, 78 f.
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 5
  • AK Ottawa 2005, Nr. 11 (A. Gnann)
  • Schröder 2008, Nr. 33 (A. Gnann)
  • AK Albertina 2010/11, Nr. 22 (A. Gnann)
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.41
  • Historical Attributions
  • traditionelle Zuschreibung, Wickhoff, Stix, Weinberger, Hartt
  • Michelangelo Buonarroti nicht von (Morelli)
  • Michelangelo Buonarroti nach (Tolnay)
  • Michelangelo Buonarroti zugeschrieben (Dussler).
  • Provenance
  • Peter Paul Rubens
  • Pierre-Jean Mariette
  • Prinz Charles de Ligne
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen

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    Last edited05.05.2026