Studienblatt zu einer Madonna mit Diadem, einem hl. Hieronymus und zwei Halbfiguren im Profil (Studie für die "Madonna mit dem Fisch")
Raffaello Santi
Die Angaben stützen sich im Wesentlichen auf Erwin Mitsch: a) Rechts unten eine Madonna, die das segnende Christuskind präsentiert; darüber zwei Detailstudien zum Kind in den Armen der Mutter, einmal stehend, das andere Mal vorwärtsschreitend. Die Darstellung hängt mit einem Skizzenblatt Raffaellos in den Uffizien (lnv. 496E; Fischel 1913, Nr. 358; Petrioli Tofani 1986, p. 223-224) zusammen; zum drängenden Kind vgl. die Kopie einer Raffaello-Zeichnung in den Uffizien (Fischel 1913, Abb. 121).
b) Eine nach links kniende Madonna, die sich unter starker Drehung ihres Körpers dem Kind zu ihrer Rechten zuwendet. Das auf Michelangelos "Doni Madonna" zurückführbare Bewegungsmotiv ist bei Raffaello im Gemälde der "Madonna Esterhazy" von 1508 vorgebildet und kommt um 1512 noch stärker ausgeprägt in der Zeichnung der "Anbetung mit Papst Julius H." des Ashmolean Museum in Oxford (Parker 1956, Nr. 564; Joannides 1983, Kat. 267) vor; vgl. dazu des Weiteren den Teppichentwurf des Tommaso Vincidor im Louvre (Fischel 1913, Abb. 288). Besonders nahe verwandt ist die Haltung der Madonna in einem Gemälde der Sammlung des Duke of Westminster (A.K. Wien 1983, p. 101), nach Gronau vermutlich die Kopie eines verlorenen, um 1510 (?) entstandenen Originals.
c) Von den drei Rückentorsi ist jener in der Bildmitte nur zart und unbestimmt angedeutet; der stärker ausgeführte Torso im linken oberen Eck zeigt Anklänge an den von lnv. 195 (Rs.). d) Der Schlafende ist nach Fischel die Studie nach einem Ateliergenossen mit der Hand in der Modellschlinge; ein ähnliches Motiv kommt, zeitlich etwas später, in der die Stufen hinauf liegenden Gestalt eines Wächters im ersten bekannten Kompositionsentwurf zum Fresko der "Befreiung Petri" in der Stanza d'Eliodoro des Vatikan in den Uffizien (lnv. 536E; Oberhuber 1972, Nr. 408, Taf. 12; Petrioli Tofani 1986, p. 240) vor; vergleichbar auch der Wächter in der Zeichnung für eine "Auferstehung Christi" in Bayonne (Fischel 1913, Nr. 387; A.K. Wien 1983, p. 101), wohl ein Entwurf für das geplante, aber nicht ausgeführte Altarbild in der Cappella Chigi in S. Maria della Pace (M. Hirst, The Chigi Chapel in S. Maria della Pace, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes XXIV, 1961, p. 171, Anm. 61: nach 1511).
e) Im linken unteren Eck die Skizze zu einer Madonna mit Kind ist vielleicht eine Rückseite frühe Studie zur "Madonna Alba" (J. Wassermann, The Genesis of Raphael's Alba Madonna, in: Studies in the History of Art, National Gallery of Art, Washington 8, 1978, p. 46, Anm. 27). Auf der Rückseite Skizzen zum Gemälde "Madonna deI Pesce" im Prado in Madrid (Oberhuber 1972, Nr. 104: 1512; A.K. Wien 1983, p. 104); ein Kompositionsentwurf für die "Madonna mit dem Fisch" in einer englischen Privatsammlung (Gere/Turner 1983, Nr. 136); Anklänge der Madonnenstudie an das Gemälde "Madonna mit dem Diadem" im Louvre; die Profilfigur links kommt verwandt im erwähnten Entwurf für die "Anbetung mit Papst Julius H." im Ashmolean Museum in Oxford vor.
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, I, Wien/Köln/Weimar 1992, S. 120, Inv. 208.
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