Dorfschule
Adriaen van Ostade
um 1635
Die locker über einer Rötelvorzeichnung skizzierte Darstellung einer Dorfschule zeigt auf niedrigen Bänken und Hockern sitzende Schüler in einem Raum mit Holzdecke. Gewänder, Kopfbedeckungen und Mimik sind lediglich mit wenigen Strichen angedeutet, dann wurden einzelne Partien der Komposition mit Lavierung ergänzt, um Räumlichkeit und Modellierung zu erzeugen.
Die Zeichnung wurde Adriaen Brouwer (1605–1638) oder dessen Nachfolger Egbert van Heemskerk (1634–1704) zugeschrieben. Beide Künstler verbindet ihre Tätigkeit im Bereich des Bauerngenres im Goldenen Zeitalter der holländischen Kunst, das mit den Brüdern Adriaen und Isaak van Ostade (1610–1685 bzw. 1621–1649) seinen Höhepunkt erreichte. Stilistisch steht die Kombination von Feder und Pinsel-Lavierung zwar Egbert van Heemskerk näher, ohne sich jedoch nahtlos in dessen Schaffen einfügen zu lassen.
Die Gesamtkomposition basiert vielmehr auf Schuldarstellungen Adriaen van Ostades, die auch im Schaffen seines Bruders Isaak und in Adriaens Nachfolge reiche Rezeption erfahren haben. So lässt sich etwa die Geste des Lehrers, der einem Schüler zur Strafe mit einem Löffel einen Klaps auf die Finger verpasst, sogar in gleich mehreren Werken von Adrian van Ostade und seinem Umkreis nachweisen (Adrian van Ostade, Der Schulmeister, 1662, Öl/Holz, 40 x 32,5 cm, Paris, Musée du Louvre; Bartholomeus Molenaer zugeschrieben; Schulklasse, Öl/Holz, 46 x 59,2 cm, um 1650, zuletzt Kat. d. Verst. Sotheby’s, Amsterdam, 8. Mai 2001, lot 7). Die meisten dieser Gemälde sind wie die vorliegende Zeichnung querrechteckig und zeigen die auf niedrigen Bänken und Schemeln sitzenden Schüler sowie die Bestrafung durch den Lehrer in einem holzgedeckten Raum aus ähnlicher Perspektive. Ein um 1720–1760 entstandener Stich von Pierre Quentin Chedel nach Ostade zeugt von der weiten Verbreitung dieses Motivs. Als eigenhändiges Werk von Adriaen oder Isaak van Ostade kommt die vorliegende Zeichnung aus stilistischen Gründen nicht infrage, sodass es sich vermutlich um das Werk eines Nachfolgers von Adriaen van Ostade handelt.
Spurensuche. Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina, Achim Gnann, Heinz Schödl (Hg.), Wien 2015, S. 62.
