Madonna mit Kind und Heiligen
Antonio da Trento
1527-1530 (Neuauflage Andreani 1602-1610)
Künstler:in
Antonio da Trento
(Italien, um 1500 - 1550 (?))
Nach
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
(Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Druck
Andrea Andreani
(Mantua (zwischen 1541-1559) - (zwischen 1623-1629) Mantua)
Date1527-1530 (Neuauflage Andreani 1602-1610)
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt in zwei Platten
DimensionsBlatt: 31,4 x 22,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG960
Signed"AA" (ligiert)
TextDer Clair-obscur-Holzschnitt gibt gegenseitig und annähernd maßgleich Parmigianinos Vorzeichnung in den Uffizien (Wien 2013, Abb. 48) für die Madonna mit den Heiligen Margarete, Benedikt, Hieronymus und einem Engel in der Pinacoteca Nazionale in Bologna wieder (Popham 1971, Nr. 79, Pl. 224). Es ist das größte und ambitionierteste Gemälde, das der Künstler während seines Aufenthaltes in Bologna zwischen 1527 und 1529 für die Benediktinerinnen der Kirche der hl. Margarete geschaffen hat. Die mit Weiß gehöhte Rötelzeichnung in Florenz ist in schlechtem Zustand und hat durch Abrieb stark gelitten, vermutlich weil sie auch als Vorlage für zwei gleichseitige Kupferstiche von Battista Agnolo del Moro (B. XVI, S. 180, Nr. 7) und einem unbekannten Meister diente (wohl der Schule von Fonainebleau). Zudem inspirierte sie Schiavone zu seiner Radierung Muttergottes mit Heiligen (B. XVI, S. 61, Nr. 60; vgl. Parma 2003, Nr. 228–229). Der Farbholzschnitt gibt die Zeichnung getreuer wieder als die anderen Reproduktionen und zeigt den Grasbüschel im unteren Bereich vollständig. Dies legt nahe, dass die Vorzeichnung an dieser Stelle geringfügig beschnitten ist. Von den anderen Kompositionsentwürfen für das Bild, die allerdings nur durch eine Kopie im Louvre (Gnann 2007, S. 525, Kopie 2) sowie druckgraphische Reproduktionen von Carlo Nolli und Francesco Rosaspina bekannt sind, steht das Blatt in den Uffizien der Ausführung am nächsten (Parma 2003, Nr. 233, 389, 397). Offensichtlich hielt Parmigianino diesen Entwurf für so bedeutend, dass er ihn als Holzschnitt reproduzieren ließ. Dennoch nahm er bei der Ausführung noch grundlegende Veränderungen vor, denn auf der Zeichnung fehlen der Engel und der Drache als Attribut der hl. Margarete, die das Christuskind aus den Armen der Muttergottes in Empfang nimmt. In dem Gemälde nähert sich die Heilige dagegen zärtlich dem Heiland, den die Muttergottes hält. Während sich die männliche Gestalt auf der rechten Seite des Bildes eindeutig als hl. Hieronymus zu erkennen gibt, könnte der Bärtige neben dem hl. Benedikt auf der Zeichnung auch ein anderer Heiliger, etwa Joseph, sein. A. Bartsch, A. Zanetti und G. Copertini hielten den Clair-obscur für das Werk eines anonymen Formschneiders, doch ist die zuerst von E. Kolloff vertretene Zuschreibung an Antonio da Trento gewiss zutreffend. Die dominierende Verwendung der Strichplatte bei der Beschreibung der Formen sowie die Lebendigkeit der Linienführung, die kongenial die Dynamik und Lebendigkeit einer Vorzeichnung in den Holzschnitt umsetzt, erinnert durchaus an gesicherte Blätter Antonios wie die Hl. Cäcilie und den Lautenspieler (Albertina, inv. dg1130 inv. dg2002/497). Vergleichbar ist auch das reflexartige Aufsitzen der unregelmäßig geschnittenen Glanzlichter, das die Oberfläche der Stoffe zum Schillern bringt und die dekorative Wirkung der Darstellungen steigert. Das Liniengeflecht breitet sich jetzt aber nicht mehr flächenfüllend über das gesamte Blatt aus, sondern wird in reduzierterer Form verwendet, wodurch die Figuren mehr Raum zur freien Entfaltung erhalten. Darin weist der Holzschnitt auf Augustus und die Sibylle voraus (Albertina, inv. dg2002/527). Durch die kontrastreiche Gegenüberstellung von verschatteten und gänzlich unbehandelten Partien setzen sich die Heiligengestalten wirkungsvoller vom Grund ab als etwa die hl. Cäcilie. Niccolò Vicentino kommt als Autor des Holzschnitts nicht in Frage. Er legt seine Darstellungen durch wässrige, ineinanderlaufende Farbfelder viel malerischer an, das Schwarz der Linienplatte duldet er nur als Akzent und seine Figuren muten weicher und biegsamer an als diejenigen Antonios.
Zwei Exemplare des ersten Zustands befinden sich in der Albertina (Inv. DG2002/430, sowie in HB33.1, p. 85).
Das vorliegende Blatt stammt aus der Neuauflage von Andrea Andreani (vgl. Albertina, HB33.1, p. 84). Andreani hat die Druckstöcke zu Beginn des 17. Jahrhunderts erworben und in der linken unteren Ecke der Tonplatte sein Monogramm geschnitten. Die Neuauflage unterscheidet sich vom ersten Zustand nur durch kleinere Ausbrüche der Strichplatte am Gewand des Bischofs und im mittleren Bereich des Kleides der hl. Margarete.
Literatur: Zanetti 1837, S. 69f., Nr. 87 (anonym); Kolloff 1872, S. 152, Nr. 5 II; Kolloff 1878, S. 725, Nr. 9 II; Copertini 1932, Bd. 2, S. 40, Tav. CXXVII, a (anonym); Zava Boccazzi 1962, S. 60, Nr. 13 (Antonio da Trento zugeschrieben); Wien 1963, Nr. 140; Paris und Rotterdam 1965–1966, Nr. 136–137 (Antonio da Trento zugeschrieben); Popham 1971, unter Nr. 79, Pl. 224; Trotter 1974, S. 262ff.; Franklin 1977, S. 31; Karpinski 1983, S. 86; Parma 2003, Nr. 230 (Text v. C. Farinelli); Matile 2003, S. 144, Anm. 333 (Niccolò Vicentino); Gnann 2007, S. 222; München und Frankfurt 2007–2008, Kat. 65
Zwei Exemplare des ersten Zustands befinden sich in der Albertina (Inv. DG2002/430, sowie in HB33.1, p. 85).
Das vorliegende Blatt stammt aus der Neuauflage von Andrea Andreani (vgl. Albertina, HB33.1, p. 84). Andreani hat die Druckstöcke zu Beginn des 17. Jahrhunderts erworben und in der linken unteren Ecke der Tonplatte sein Monogramm geschnitten. Die Neuauflage unterscheidet sich vom ersten Zustand nur durch kleinere Ausbrüche der Strichplatte am Gewand des Bischofs und im mittleren Bereich des Kleides der hl. Margarete.
Literatur: Zanetti 1837, S. 69f., Nr. 87 (anonym); Kolloff 1872, S. 152, Nr. 5 II; Kolloff 1878, S. 725, Nr. 9 II; Copertini 1932, Bd. 2, S. 40, Tav. CXXVII, a (anonym); Zava Boccazzi 1962, S. 60, Nr. 13 (Antonio da Trento zugeschrieben); Wien 1963, Nr. 140; Paris und Rotterdam 1965–1966, Nr. 136–137 (Antonio da Trento zugeschrieben); Popham 1971, unter Nr. 79, Pl. 224; Trotter 1974, S. 262ff.; Franklin 1977, S. 31; Karpinski 1983, S. 86; Parma 2003, Nr. 230 (Text v. C. Farinelli); Matile 2003, S. 144, Anm. 333 (Niccolò Vicentino); Gnann 2007, S. 222; München und Frankfurt 2007–2008, Kat. 65
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/334758/madonna-mit-kind-und-heiligenImage RequestLast edited29.11.2021