Skizzenblatt mit drei Kopfstudien und einer Halbfigur für "Die Ermordung des Bischofs von Lüttich"
Eugène Delacroix
um 1829
Mit zügig knappen Strichen skizziert Delacroix hier vier Köpfe, wobei einer nur mit dem Gesichtsoval umrissen, aber offenbar wieder aufgegeben, ein anderer, kleiner und auf Distanz gesehen, nur zart angedeutet wurde. Mehr Aufmerksamkeit widmete er dem Kopf mit barettartiger Bedeckung und vor allem der Halbfigur mit Helm und abgewinkeltem rechten Arm. Der leicht seitlich nach vorne geneigte Oberkörper dieser Figur, die scharfe Rechtswendung des Kopfes sowie die gebeugte Position des Armes zeigen eine frappierende Ähnlichkeit zu der links von dem tödlich verwundeten Bischof von Lüttich stehenden und ihn festhaltenden Häschers des Gemäldes "Die Ermordung des Bischofs von Lüttich" von 1829 (Paris, Musée du Louvre; Johnson, I, Nr. 135). Diese auffallende Verwandtschaft legt nahe, in der Studie eine Ideenskizze für dieses Werk zu sehen. Es entstand 1828/29 und hat eine Passage aus #Walter Scotts Roman "Quentin Durward" (22. Kapitel) zum Inhalt: Der Bischof wird in den Saal mit dem mordlustigen Gefolge des #Wilhelm de la Marck geschleppt, der bereits auf dessen Thron sitzt. In der militanten Haltung und dem strengen, kalten Blick des Soldaten, die bereits in der Skizze verstärkt durch den rohen Strich der Rohrfeder zur Geltung kommt, setzt Delacroix kongenial die Worte Scotts um: ..."the Bishop of Liège ... was dragged into the hall of his own palace by the brutal soldiery ..." (siehe dazu: Fischer 1963, S. 104-107, Nr. 114).
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 202, Nr. 88.
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