Eugène Delacroix, Studienblatt mit drei männlichen, halbliegenden Rückenakten, die Rechte über …
Studienblatt mit drei männlichen, halbliegenden Rückenakten, die Rechte über dem Kopf erhoben, für "Herkules wirft Diomedes dessen menschenfressenden Pferden vor"
Eugène Delacroix, Studienblatt mit drei männlichen, halbliegenden Rückenakten, die Rechte über dem Kopf erhoben, für "Herkules wirft Diomedes dessen menschenfressenden Pferden vor", Inv. Nr.: 31023
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Studienblatt mit drei männlichen, halbliegenden Rückenakten, die Rechte über dem Kopf erhoben, für "Herkules wirft Diomedes dessen menschenfressenden Pferden vor"

Eugène Delacroix

um 1852




Künstler:in (Charenton 1798 - 1863 Paris)
Dateum 1852
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, auf leicht gebräuntem Papier
Dimensions22,7 x 34,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31023
Inscribedl.u. Farbangaben "reflet", "noir"; r.o. in Rot, kaum mehr lesbar "C. L." (Besitzvermerk von Cadart & Luquet)
Markingsr.u. Nachlassstempel Eugène Delacroix (Lugt 838)
Text

Delacroix beschäftigt in dieser Darstellung das Muskelspiel eines männlichen Rückenakts. Im Wechselspiel von Licht und Schatten wird der athletische Körper mit subtil differenzierten Linien und Schraffuren plastisch modelliert und suggeriert die Illusion von geballter Kraft und Energie. In drei Skizzen studiert Delacroix die halbaufgerichtete Rückenfigur mit erhobenem rechten Arm: Zunächst deutet er in einer flüchtig zarten Skizze nur Umrisse und Schatten an. Die zweite Studie zeigt dann bereits eine nuancierte Gestaltung der Rückenmuskulatur, während in der dritten, etwas vergrößerten Ansicht, das Hauptaugenmerk auf der Wiedergabe der Arm- und Schulterpartie liegt, wo akzentuierte Helldunkelkontraste den plastischen Eindruck von kraftvoll angespannten Muskeln erzeugen.
Günter Busch identifizierte die drei Studien als Entwürfe für die Figur des Diomedes für die Darstellung "Herkules wirft den thrakischen König Diomedes dessen menschenfressenden Pferden vor" und datiert sie um 1855 (AK Bremen 1964, Nr. 302). Nach Robaut gehören sie zu den zahlreichen unausgeführten Ideen für die Dekoration des Salons de la Paix im Hôtel de Ville, Paris, (siehe auch Inv. 30662, Inv. 30663). Delacroix habe diese Szene schließlich auf Drängen seines Freundes #Dutilleux in einem Gemälde verewigt, das durch seinen Tod unvollendet geblieben sei (Robaut 1885, unter Nr. 1274) und das heute als verschollen gilt. Robaut (1885, Nr. 1779) zählt für "Herkules und Diomedes" analog der Nachlassversteigerung insgesamt sieben Studien, die er um 1855 ansetzt. Eine Ölstudie, heute in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen (Robaut 1885, Nr. 1274; Johnson, III, Nr. 312, IV, Taf. 133; Friborg 1993, Nr. 47), und zwei Bleistiftzeichnungen, deren Verbleib unbekannt ist, hebt er gesondert hervor und bildet sie in kleinen Strichätzungen ab. Er kopiert sie auch in seinen "Catalogue et dessins d´ Alfred Robaut d´ après Delacroix" (Tome 4). Eine der Studien stellt einen ersten Gesamtentwurf dieses Themas dar (Robaut 1885, Nr. 1276), die andere könnte man als nahe verwandtes Gegenstück zu dem Blatt der Albertina bezeichnen: Sie zeigt ebenfalls mehrere Studien nach der Natur und zwar - wie in Ergänzung zu den Rücken- und Armskizzen der Albertina - verschiedene Beinstellungen, die Delacroix im Hinblick auf die Figur des von seinen wild gewordenen Pferden bedrängten, bereits auf dem Boden liegenden Diomedes ausprobiert hat (Robaut 1885, Nr. 1275). Die Zeichnungen sind, m.E., um 1852 und nicht erst 1855 entstanden, da sie vermutlich zu den ersten Überlegungen bezüglich des Herkules-Themas gehört haben, das in elf ausgewählten Episoden für die Lünetten geplant war. Delacroix begann im Februar 1852 mit den Vorarbeiten im Atelier, die im Oktober mit den für die Übertragung fertigen Leinwänden abgeschlossen waren. Die Ausstattung des Salon de la Paix wurde im März 1854 vollendet und am 24. Mai 1871 durch einen Brand zerstört.

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 240, Nr. 103.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 103
  • Bibliography
  • Robaut 1885, vermutlich unter Nr. 1779: "Hercule et les chevaux de Diomède 1855, Sept feuilles de dessins et croquis ..."
  • AK Albertina 1958, Nr. 181
  • AK Bremen 1964, Nr. 302
  • Provenance
  • Nachlassversteigerung Delacroix 1864, unter Nr. 361
  • Cadart & Luquet 1869
  • [Verbleib unbekannt]
  • bis 1950 Privatsammlung
  • 1950 erworben
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/33912/studienblatt-mit-drei-mannlichen-halbliegenden-ruckenaktenImage Request
    Last edited23.02.2022