Alfred Robaut, Kompositionsskizze für die ehemalige Lünette "Herkules befreit Alkestis aus der …
Kompositionsskizze für die ehemalige Lünette "Herkules befreit Alkestis aus der Unterwelt" im Salon de la Paix des Hôtels de Ville, Paris
Alfred Robaut, Kompositionsskizze für die ehemalige Lünette "Herkules befreit Alkestis aus der Unterwelt" im Salon de la Paix des Hôtels de Ville, Paris, Inv. Nr.: 30663
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kompositionsskizze für die ehemalige Lünette "Herkules befreit Alkestis aus der Unterwelt" im Salon de la Paix des Hôtels de Ville, Paris

Alfred Robaut

1852




Künstler:in (Douai 1830 - 1909 Paris)
Umkreis (Charenton 1798 - 1863 Paris)
Date1852
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Tintenspritzer, auf stark stockfleckigem Papier
Dimensions20 x 30,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number30663
InscribedM. mit Bleistift: "autel / surlequel admete / fait ses voeux / vases de sacrifice / vase renverse et debou [sic!] / trepied / enfant / armure / lyre / couteau de sacrifice dans sa gaine / trompe"; r.o. "flammes"
MarkingsM.u. Nachlassstempel Eugène Delacroix (Lugt 838)
Text

Delacroix hält in dieser Bleistiftskizze seine ersten Bildvorstellungen zu dem Thema "Herkules befreit Alkestis aus der Unterwelt" fest. Wie Inv. 30662 konzipierte er diese für die Herkules-Folge in den Lünetten im Salon de la Paix. Beide Zeichnungen sind in Format, Technik und Stil so eng verwandt, dass sie unmittelbar nacheinander, vermutlich in demselben Skizzenbuch und zu jenem Zeitpunkt entstanden, als sich Delacroix mit den Herkules-Themen und der Suche nach ihren bildwirksamen Kompositionen zu beschäftigen begann. Admetos, König von Thessalien, soll in jungen Jahren sterben, erwirkt von Apollo aber die Gnade, am Leben zu bleiben, falls jemand freiwillig für ihn aus dem Leben scheidet. Niemand außer Alkestis, seiner Gattin, ist dazu bereit. Herkules, der unmittelbar nach ihrem Tod von Admetos trotz dessen Trauer gastfreundlich aufgenommen wird, verfolgt den Todesgott Thanatos, nimmt ihm seine Beute in einem Ringkampf wieder ab und führt Alkestis ins Leben und zu ihrem Gatten zurück. Auf der linken Bildseite versucht Delacroix, Alkestis, vom Leichentuch umhüllt, zunächst aufrecht stehend, aber noch wie leblos von Herkules gestützt, wiederzugeben, bevor sie eine weitere Skizze auf seinen Armen getragen zeigt. Die Szene wurde durch Admetos links, freudig bereit, seine Gattin in Empfang zu nehmen, und den mehrköpfigen Höllenhund Cerberus rechts erweitert, der den - symbolisch durch Flammen dargestellten - Eingang zur Unterwelt bewacht. Neben den Skizzen hat Delacroix in Schlagworten eventuell noch zu verwendende Accessoires notiert, wie z.B. einen Altar, der letztlich auch zur Darstellung kam. Die Komposition entspricht im Wesentlichen einer verschollenen Ölskizze (Johnson, V, Nr. 589, VI, Taf. 60), die aber gegenüber der endgültigen Fassung, wie der Nachstich erkennen lässt, nochmals übergangen und verändert wurde. Anstelle des Höllenhundes entschied sich Delacroix für die weniger dramatische Alternative einer Baumlandschaft. 1862 griff Delacroix das Sujet in einem Gemälde nochmals auf (Washington, The Philips Collection; Johnson, III, Nr. 342, IV, Taf. 159; AK Paris/Philadelphia 1998/99, Nr. 135), wobei er die Komposition bis auf wenige Details unverändert übernahm. Neu konzipiert wurde die Haltung des Admetos, der den Arm seiner leblosen Gattin küsst anstatt mit dankbarem Devotionsgestus zu Herkules emporzublicken. Interessanterweise greift Delacroix verschiedene Einzelheiten wie das Stillleben mit stehender Vase oder das am Altar stattfindende Opfer, die er in der Skizze der Albertina zwar mit Worten beschreibt, in der Darstellung der Lünette dann unterlässt, in dieser späten Gemäldefassung aber wieder auf. Auch die ursprünglich geplanten Flammen am Tor zur Unterwelt werden erst in dieser Variante bildhaft umgesetzt.

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 232, Nr. 100.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 100
  • Bibliography
  • Johnson, V, erwähnt bei Nr. 589
  • Robaut Nr. 1273, p. 340
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/33910/kompositionsskizze-fur-die-ehemalige-lunette-herkules-befreImage Request
    Last edited25.11.2019