Kompositionsskizzen für die zwei ehemalige Lünetten "Herkules ruht am Fuß der Säule" und "Herkules häutet den nemeischen Löwen" des Salons de la Paix des Hôtels de Ville, Paris
Eugène Delacroix
1852
Die Zeichnung entstand für die Wanddekoration des Salon de la Paix im Hôtel de Ville, Paris, und zeigt zwei Skizzen mit Taten des Herkules: "Herkules häutet den nemeischen Löwen und ruht nach Beendigung der zwölften Aufgabe an einer Säule". Die Studie gehört wie Inv. 30663 zu den Entwürfen für die elf Lünetten mit Episoden aus dem Leben des Herkules. Unmittelbar nach Fertigstellung der Apollo-Galerie des Louvre bekam Delacroix 1851 - das genaue Datum ist unbekannt - den Auftrag für die Ausmalung des Salons de la Paix. Er begann im Februar 1852 mit den Vorbereitungsarbeiten im Atelier und war im Oktober soweit, dass er unter Mithilfe von #Pierre Andrieu mit der Ausführung des Plafonds "Der Friede tröstet die Menschen und bringt ihnen den Überfluss zurück", der Kassetten mit "Ceres, Clio, Bacchus, Venus, Merkur, Neptun, Minerva und Mars" sowie der elf Lünetten beginnen konnte. Die Ausstattung des Salons war im März 1854 vollendet; sie wurde am 24. Mai 1871 durch einen Brand zerstört.
Auf dem vorliegenden Studienblatt hat Delacroix zwei verschiedene Entwürfe für jeweils eine Lünette notiert. Bei den mit zarten feinen Strichen summarisch angedeuteten Bleistiftskizzen dürfte es sich um eine erste Ideenfindung handeln, die bis zur endgültigen Ausführung noch wesentliche Änderungen erfuhr. Ölbozzetti (Johnson, V, S. 133-157) und Nachstiche, wie z.B. nach Zeichnungen Pierre Andrieus (Robaut 1885, Nr. 1152-1162; Sérullaz 1963, S. 145-147), geben eine Vorstellung über das ehemalige Aussehen der Lünetten. Delacroix zeigt auf der linken Blattseite den nach Beendigung seiner Taten rastenden Herkules, nachdem er am Rande des Ozeans zwei Säulen errichtet hatte, um die Grenzen der Welt zu markieren. Obwohl einzelne Details wie z.B. Apollo in seinem Sonnenwagen rechts von der Säule und die Gruppe der Nereiden links davon in der Skizze bereits aufscheinen, ist Herkules hier noch stehend, den linken Arm auf das Kapitell gestützt, wiedergegeben. In der, mit der endgültigen Fassung identen Ölstudie (Verbleib unbekannt; Johnson, V, Nr. 587, VI, Taf. 58) entschied sich Delacroix schließlich, ihn am Fuß der Säule sitzend darzustellen. Die Version des stehenden Heroen dürfte auf seine, von Delteil 1845 datierte Lithografie (Delteil, Nr. 127) zurückgehen, die ziemlich genau mit der Skizze der Albertina übereinstimmt. Auf der rechten Bildhälfte skizziert Delacroix Herkules, der dem an einem Baumstamm hängenden nemeischen Löwen das Fell abzieht. Das Tier musste erwürgt werden, da sein Fell weder mit der Keule noch mit Pfeilen zu verletzen war. Der Held trägt fortan den Kopf des Löwen als Helm und das Fell als Panzer. In der Skizze ist Herkules links vom Kadaver stehend zu sehen, während ihn die Endfassung, zu der der Ölbozzetto mit Übertragungsnetz erhalten geblieben ist (Fribourg, Musée d'art et d'histoire), letztlich in halbkniender Haltung rechts vom Baumstamm zeigt.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 228, Nr. 99.
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