Christus in Emmaus
Jean-Louis Forain
um 1909
Forain war in erster Linie demaskierender Schilderer seiner Zeit, vor allem der Pariser Halbwelt. Religiöse Themen bilden daher in seinem Werk eher eine Ausnahme. Man findet sie hauptsächlich unter seinen stark von #Rembrandt beeinflussten Radierungen. Seine Bewunderung für diesen Künstler zeigt sich auch in der Zeichnung "Christus bei den Jüngern in Emmaus" der Albertina, die durch ihre freie stilistische Ausführung und souveräne Verwendung von Pinsel und Lavierung besticht und sich darin deutlich an der von Rembrandt fulminant beherrschten Technik der braun lavierten Zeichnung orientiert. Das Blatt bildet die Vorlage für die 1910 entstandene Radierung "Christus mit den Jüngern vor dem Essen in Emmaus" (Guérin 1912, Nr. 95), die die Szene mit kleinen Veränderungen gegengleich zeigt: Die Gruppe mit Jesus und den beiden Jüngern ist nahezu unverändert übernommen, ebenso der den Tisch deckende Mann, dazu gekommen sind zwei Kinder links. Die Idee, sie als Pendant zu Christus und den Jüngern in die Bildkomposition einzubauen, findet sich in einer weiteren 1909 datierten Vorzeichnung in Privatbesitz (AK Paris 1978, Nr. 120), wo sie andächtig nahe neben diesen stehen, während sie Forain in der Radierung auf die linke Seite gerückt hat. Forain hat die Szene "Christus in Emmaus" sowohl vor dem Mahl - wie in diesen Versionen - als auch in weiteren Radierungen (Guérin 1912, Nr. 96-99) während des Essens dargestellt.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 336, Nr. 149.
