Weiblicher Akt
Jean-Louis Forain
um 1909
Forain begann vorwiegend in den 1890er-Jahren weibliche Akte darzustellen. Nach dem Vorbild #Degas´ zeichnet er sie zunächst meistens im Bad, sich abtrocknend oder frisierend. Zwischen 1903 und 1930 setzt er sich dann erneut und intensiver mit diesem Thema auseinander. Unmittelbarer Anlass war ein Album, das #Vollard um 1903-1905 in Auftrag gegeben hatte und das Frauenakte beinhalten sollte. Dieses kam letztlich nicht zustande, doch existieren eine Reihe von Aktstudien, die Forain dafür in der vor allem im 18. Jahrhundert beliebten trois-crayons-Manier auf farbigem Papier gezeichnet hatte (siehe dazu "Les nus de Forain", in: Valdès-Forain u.a. 1995, S. 141-148). Auffallend dabei ist die neue Sehweise Forains, der seine Modelle nicht mehr bei bestimmten Tätigkeiten während der Toilette, sondern isoliert - stehend, sitzend oder liegend - wiedergibt. Ein charakteristisches Beispiel dafür ist die Aktzeichnung der Albertina, in der Kopf und Gesicht nur schematisch skizziert sind, während das Hauptaugenmerk auf der Wiedergabe des nackten Körpers, den weichen fülligen Rundungen und dem sinnlichen Eindruck nackter Haut liegt. Dazu kommt der warme orange-rote Papierton, der die sensuelle Wirkung noch wesentlich verstärkt. Es scheint, als habe Forain diese Studie als Vorlage für seine Zinkradierung "Badende" (Guérin 1912, Nr. 62) verwendet, wie die ganz ähnliche halb sitzende Körperstellung mit einem leicht nach hinten gebogenen und einem senkrecht abgestützten Arm, aber auch stilistische Gemeinsamkeiten wie die mehrfach parallel verlaufenden, Schatten wie Volumen erzeugenden Umrisslinien nahelegen. Die Radierung ist nicht datiert, wurde aber von Guérin in seinem bereits 1912 erschienen Bestandskatalog der Druckgrafik Forains aufgenommen und unter die 1909 entstandenen Arbeiten gereiht.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 332, Nr. 147.
